Einsame Schneeglöckchen im Garten
Neulich habe ich einen Newsletter gelesen und wunderschöne Gartenbilder aus England gesehen – voller Schneeglöckchen. Dichte, blühende Teppiche, sogenannte „Tuffs“, wie man sie sich wünscht. Überall war zu lesen, dass sich Schneeglöckchen mit der Zeit ganz von selbst zu solchen Horsten entwickeln. Man könne sie sogar teilen, entweder während der Blüte oder kurz danach – „in the green“, wie es so schön heißt.
Klingt wunderbar. Nur leider sieht mein Garten ganz anders aus.
Bei mir stehen die Schneeglöckchen jedes Jahr wieder einzeln im Beet. Ich habe die kleinen Zwiebeln über den ganzen Garten verteilt, aber sie kommen stets allein zurück – hübsch, aber eben ziemlich einsam. Dabei heißt es doch, sie vermehren sich sogar über Samen, die zum Beispiel von Ameisen verbreitet werden.
Da stellt sich mir unweigerlich die Frage: Habe ich etwa besonders faule Ameisen im Garten?
Inzwischen glaube ich, dem Rätsel auf die Spur gekommen zu sein. In verschiedenen Beschreibungen wird nämlich erwähnt, dass Schneeglöckchen bevorzugt unter Sträuchern und Bäumen wachsen. Dort sind sie zum einen besser vor Störungen geschützt, zum anderen ist die Wasserversorgung gleichmäßiger. Und das könnte bei meinem sandigen Boden tatsächlich der entscheidende Punkt sein – gerade im Winter. Dieses Jahr ist das weniger problematisch, denn der Schnee sorgt für eine gute Durchfeuchtung.
Als ich mir Fotos aus den letzten Jahren angesehen habe, fiel mir noch etwas auf: An genau einer Stelle haben sich meine Schneeglöckchen richtig gut vermehrt. Und wo war das? Unter meiner Quitte.
Damit ist klar: Ich habe ein neues To‑do für dieses Gartenjahr. Alle einsamen Schneeglöckchen werden ausgegraben und unter Sträucher umgesetzt. Und wenn die Ameisen dann auch noch ihren Job machen, könnte ich mich vielleicht 2027 über deutlich mehr Schneeglöckchen im Garten freuen.
Man lernt nie aus. Wie schön, dass unsere Mitbewohner so individuell sind.


