Auf gartenhygge ist ein neues Projekt gestartet: der phänologische Jahreskalender.
Das Thema Phänologie liegt mir schon lange am Herzen, weil in Zeiten des Klimawandels das Leben von Landwirten und (Hobby-)Gärtnern nicht einfacher wird. Wir erleben frühe Austriebe der Pflanzen, gefolgt von späten Frösten, Trockenheit in der Zeit, da Wasser für das Wachstum gebraucht wird, starke Regenfälle im Sommer. Vielleicht können wir aber trotzdem Signale der Natur nutzen, um uns auch in der Zeit des Wandels zu orientieren, deshalb meine kleine Serie zur Phänologie.
Was ist Phänologie?
Wer schon einmal bemerkt hat, dass die ersten Krokusse im Frühling ihre Köpfe durch die Erde stecken oder dass die Blätter der Bäume im Herbst wie auf Kommando bunt werden, hat bereits einen Blick für die Phänologie entwickelt. Phänologie ist die Wissenschaft, die sich mit den periodisch wiederkehrenden Erscheinungen in der Natur beschäftigt – also damit, wann Pflanzen blühen, Früchte reifen oder Zugvögel zurückkehren. Sie beobachtet, wie sich die Natur im Laufe des Jahres verändert und wie diese Veränderungen mit dem Klima zusammenhängen.
Geschichte und Entstehung der Phänologie
Die Wurzeln der Phänologie reichen weit zurück – bereits in der Antike achteten Bauern und Gärtner auf die Zeichen der Natur, um den besten Zeitpunkt für Aussaat und Ernte zu bestimmen. Als eigenständige Wissenschaft entwickelte sich die Phänologie jedoch erst im 18. und 19. Jahrhundert. Der schwedische Naturforscher Carl von Linné gilt als einer der Begründer. Er legte sogenannte „Blumen-Uhren“ an und dokumentierte, wann verschiedene Pflanzenarten blühten. Im 19. Jahrhundert wurden in Europa erste flächendeckende phänologische Beobachtungsnetze aufgebaut, um systematisch festzuhalten, wie sich die Natur im Jahresverlauf verändert.
Warum ist Phänologie wichtig?
Die Phänologie hilft uns, die Wechselwirkungen zwischen Klima und Natur besser zu verstehen. Da viele Pflanzen und Tiere sehr sensibel auf Temperatur und Niederschlag reagieren, geben ihre Entwicklungsstadien Hinweise auf klimatische Veränderungen. So können wir beispielsweise beobachten, dass einige Pflanzenarten heute früher blühen als noch vor wenigen Jahrzehnten – ein Indiz für den Klimawandel.
Bedeutung für Landwirtschaft
Bedeutung für Landwirtschaft und Gärten
Für Landwirte und Hobbygärtner ist die Phänologie ein wertvolles Werkzeug. Anstatt sich nur auf den Kalender zu verlassen, kann man mit phänologischen Beobachtungen den optimalen Zeitpunkt für Aussaat, Pflanzung, Pflege und Ernte bestimmen. Zum Beispiel ist der Beginn der Apfelblüte ein verlässlicher Hinweis, dass die Frostgefahr vorbei ist und empfindliche Kulturen ins Freiland gepflanzt werden können. Auch Schädlinge und Pflanzenkrankheiten orientieren sich am Entwicklungsstand der Pflanzen – rechtzeitige Beobachtung hilft, Risiken zu minimieren und Erträge zu sichern.
Der Kalender wächst mit dem Jahr
Der neue Jahreskalender wird nicht von heute auf morgen vollständig sein.
Und das ist ganz bewusst so.
Die einzelnen phänologischen Jahreszeiten werden:
-
rechtzeitig ergänzt,
-
saisonal vervollständigt,
-
und mit Beobachtungen aus meinem eigenen Garten angereichert.
Ich schreibe also nicht über den Hochsommer im Winter oder über den Vorfrühling im Juli. Stattdessen entsteht der Kalender parallel zum tatsächlichen Gartenjahr.
Die 10 phänologischen Jahreszeiten: Übersicht und Monatszuordnung
Die Phänologie teilt das Jahr nicht in die klassischen vier Jahreszeiten, sondern unterscheidet zehn sogenannte „phänologische Jahreszeiten“. Diese orientieren sich an markanten Entwicklungsstadien typischer Pflanzen. Die folgende Übersicht zeigt, welche Monate den jeweiligen Jahreszeiten meist zugeordnet werden – regionale Abweichungen sind dabei möglich:
- Winter (Dezember – Februar): Vegetationsruhe, kaum sichtbares Wachstum.
- Vorfrühling (Februar – März): Blüte von Hasel und Schneeglöckchen, erste Frühlingsboten.
- Erstfrühling (März – April): Blüte von Forsythie und Salweide, Laubaustrieb bei einigen Bäumen.
- Vollfrühling (April – Mai): Apfelblüte, Flieder blüht, viele Bäume treiben aus.
- Frühsommer (Mai – Juni): Beginn der Blüte von Holunder, Roggen steht in Ähre.
- Hochsommer (Juni – Juli): Lindenblüte, erste Getreideernte, viele Früchte reifen.
- Spätsommer (Juli – August): Reife von Johannisbeeren, Erntezeit für viele Gemüse.
- Frühherbst (August – September): Reife von Äpfeln und Birnen, Laub beginnt zu verfärben.
- Vollherbst (September – Oktober): Kastanien fallen, Blätter färben sich bunt, Hauptlaubfall.
- Spätherbst (Oktober – November): Letzte Blätter fallen, Pflanzen bereiten sich auf die Winterruhe vor.
Dies sind nur einige Beispiele für die Beobachtung. Weitere lernt ihr in der Serie kennen, wir starten passend mit dem Winter.
Eine Einladung zum Mitbeobachten
Der Jahreskalender ist keine Anleitung zum Abarbeiten.
Er ist eine Einladung:
-
genauer hinzuschauen
-
Veränderungen wahrzunehmen
-
den eigenen Garten besser zu verstehen
Vielleicht beobachtest du andere Zeigerpflanzen als ich.
Vielleicht beginnt der Vorfrühling bei dir früher – oder später.
Auch das gehört dazu.
Im Laufe des Jahres wird der phänologische Jahreskalender auf gartenhygge.de wachsen – Monat für Monat, Jahreszeit für Jahreszeit.
Schau gern regelmäßig vorbei. Oder komm immer dann, wenn du dich fragst:
„Was zeigt mir die Natur gerade?“
Gemeinsam entspannt wachsen mit der Natur
Im Laufe des Jahres wird der phänologische Jahreskalender auf gartenhygge.de wachsen – Monat für Monat, Jahreszeit für Jahreszeit.
Schau gern regelmäßig vorbei. Oder komm immer dann, wenn du dich fragst:
„Was zeigt mir die Natur gerade?“
Wenn ihr noch mehr zum Thema Phänologie lesen wollte, schaut doch mal beim Deutschen Wetterdienst vorbei: https://www.dwd.de/DE/klimaumwelt/klimaueberwachung/phaenologie/phaenologie_node.html
Interessant ist auch die Seite von Karl Ploberger, der mich damals in einem Fernsehbeitrag auf die Phänologie gebracht hat:
https://www.biogaertner.at/phaenologischer-kalender-oder-garteln-im-takt-der-natur/



