Manche Gärten besucht man, weil sie schön sind. Andere besucht man, weil sie etwas in einem auslösen. Der Karl-Foerster-Garten in Potsdam-Bornim gehört für mich eindeutig zur zweiten Kategorie. Karl Foerster ist seit Langem eines meiner großen Vorbilder bei der Gestaltung meines eigenen Gartens – und seinen Garten endlich mit eigenen Augen bei meiner letzten Reise nach Potsdam und Berlin im Juli 2026 zu sehen, war entsprechend etwas Besonderes.
Wer war Karl Foerster?
Karl Foerster wurde 1874 in Berlin geboren und starb 1970 in Potsdam. Er war Gärtner, Staudenzüchter, Gartenphilosoph und Autor – vor allem aber einer der Menschen, die die moderne Gartenkultur in Deutschland entscheidend geprägt haben. Nach Lehrjahren und ersten gärtnerischen Stationen verlegte er seine Staudengärtnerei Anfang des 20. Jahrhunderts nach Potsdam-Bornim. Dort entstand rund um sein Wohnhaus ein Garten, der nicht nur privat war, sondern zugleich Schau- und Versuchsgarten: ein lebendiger Ort, an dem Pflanzenkombinationen, Blühfolgen und neue Züchtungen erprobt wurden.
Foerster setzte sich besonders für winterharte Stauden ein und machte sie zu tragenden Elementen der Gartengestaltung. Berühmt wurde er unter anderem für seine Liebe zum Rittersporn, aber auch für Phlox, Gräser, Farne und viele robuste Stauden, die Gärten über lange Zeiträume attraktiv machen. Sein oft zitiertes Motto „Es wird durchgeblüht“ beschreibt bis heute sehr schön, worum es ihm ging: ein Garten, der nicht nur für einen kurzen Höhepunkt angelegt ist, sondern über viele Monate hinweg immer wieder neue Bilder zeigt. So habe auch ich meinen Garten angelegt, insbesondere das Präriebeet in der Mitte. Leider haben sich über die Jahre die Gräser doch sehr vermehrt, die Blühstauden gingen verloren. Deshalb muss man m. E. vorsichtig sein und beim Pflanzen vielleicht etwas weniger Gräser, dafür mehr Stauden setzen.
Der Garten als lebendiges Vermächtnis
Der Garten in Bornim wurde ab etwa 1910 beziehungsweise 1912 angelegt und ist bis heute ein außergewöhnliches Beispiel für Foersters Denken. Er besteht aus mehreren Gartenräumen, darunter Senkgarten, Frühlingsweg, Naturgarten, Herbstbeet, Steingarten und ursprünglich auch ein Versuchsgarten. Der Frühlingsweg ist so besonders, weil dort viele Gehölze stehen, die eben im Winter oder ganz früh im Frühling blühen, wie Kornelkirsche, Schneeforsythie oder auch die Winterkirsche. Alles findet sich auch bei mir im Garten. Frühblüher unter den Stauden stehen dort die Epimedien und natürlich Zwiebeln.
Seit 1981 steht die Anlage als Karl-Foerster-Gedenkstätte unter Denkmalschutz. Zur Bundesgartenschau 2001 wurde sie als Gartendenkmal rekonstruiert. Heute wirkt der Garten nicht wie ein Museum, sondern wie ein lebendiger Ort: üppig, vielschichtig, voller Übergänge – und dabei immer erstaunlich klar komponiert. Üppig ist hier Programm, denn sein Motto war, dass man keine Erde sehen darf, das ist hier umgesetzt, was dann weniger Arbeit beim Unkraut jäten macht.
Mein Eindruck: Der Senkgarten und der hellblaue Rittersporn
Am meisten beeindruckt hat mich der Senkgarten. Er ist das Herzstück der Anlage und folgt dem Vorbild englischer „sunken gardens“: Man steigt über kleine Stufen hinab, während sich die Pflanzungen wie eine Bühne um einen entfalten. Es gibt dort ein Taubenhaus mit weissen Tauben, sehr apart. Und natürlich auch Phloxe in verschiedenen Farben. Aber mein Highlight waren die wunderschönen hellblauen Rittersporne, die ich dort habe ich zum ersten Mal gesehen habe – ein Moment, der mir sicher lange in Erinnerung bleiben wird. Diese Farbe, dieses Aufrechte, Leichte und zugleich Selbstbewusste der Blüten: Plötzlich versteht man unmittelbar, warum Foerster dem Rittersporn eine solche Leidenschaft widmete. In meinem Garten sind Rittersporne leider Schneckenfutter, aber ich gebe nicht auf und werde sie wieder pflanzen!
Ausbalancierte Gartenbilder bis in den hinteren Teil
Auch der hintere Teil des Gartens hat mich sehr angesprochen. Dort wirkt nichts zufällig und doch nichts starr. Die Pflanzungen sind perfekt ausbalanciert: Höhen, Formen, Blütenfarben und Blattstrukturen greifen ineinander, ohne sich gegenseitig zu übertönen. Genau diese Art von Harmonie ist es, die ich an Foersters Gestaltungsweise so bewundere – eine Fülle, die nicht chaotisch wird, sondern getragen ist von Erfahrung und einem feinen Gefühl für Rhythmus.
Ein Blick zur Staudengärtnerei
Direkt neben dem Garten befindet sich die Staudengärtnerei – ein Ort, der natürlich besonders neugierig macht, wenn man Foersters Pflanzen liebt. Weil mein Besuch an einem Sonntagabend stattfand, war sie leider geschlossen. Immerhin konnte ich einen Blick über den Zaun werfen und mir vorstellen, wie schön es wäre, bei einem nächsten Besuch dort noch einmal in Ruhe nach Stauden zu schauen. Dann bräuchte ich allerdings ein großes Auto um die Schätze nach Hause zu bekommen.
Praktische Eindrücke zur Anreise
Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist der Garten leider nicht besonders bequem zu erreichen. Wer mit dem Auto kommt, findet dafür einen großzügigen Parkplatz vor – ein praktischer Pluspunkt, gerade wenn man dort Stauden kaufen möchte.
Hygge-Faktor
Der Garten ist eher ein Lehrgarten, als das er sehr gemütlich ist, aber das muss er auch nicht. Ich würde sagen 3 von 5.
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Leider hat der Garten nicht so viele Bänke, aber wenn man am Abend dort ist, findet sich immer ein Plätzchen zum verweilen.
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Schatten unter alten Bäumen
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keine Gastronomie
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Staudengärtnerei (leider am Sonntag zu)
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unendlich viele Inspirationen
Mein Fazit
Der Karl-Foerster-Garten ist kein Garten, den man einfach „abhakt“. Er ist ein Garten, der nachwirkt – besonders, wenn man selbst gärtnert und nach Vorbildern sucht. Für mich war der Besuch inspirierend, berührend und voller Ideen. Vor allem der Senkgarten mit seinen hellblauen Ritterspornen bleibt als Bild im Kopf: ein kleines Stück Gartenpoesie in Potsdam-Bornim.


