Juli – Hochsommer: Die Zeit der Beeren

„Wer der Gartenleidenschaft verfiel, ist noch nie geheilt worden. Er fühlt sich immer tiefer in sie verstrickt.“
Karl Foerster

Der Hochsommer ist die Zeit der Fülle. Die Rosen stehen in voller Blüte, die Staudenbeete leuchten in kräftigen Farben und überall gibt es etwas zu ernten. Während die Tage ihren Höhepunkt erreicht haben, beginnt im Garten die große Naschsaison. In der Phänologie wird der Hochsommer durch die Reife der Roten Johannisbeere angezeigt. Sobald die ersten Trauben tiefrot zwischen den Blättern leuchten, hat diese Jahreszeit begonnen.

Die Beeren – kleine Früchte, großer Genuss

Für mich gehören Beeren zu den schönsten Geschenken des Sommers. Es gibt kaum etwas Schöneres, als an einem warmen Julitag durch den Garten zu gehen und hier eine Himbeere, dort eine Johannisbeere oder ein paar Heidelbeeren direkt vom Strauch zu naschen.

Die Rote Johannisbeere (Ribes rubrum) gilt als klassische Zeigerpflanze des Hochsommers. Doch meist ist sie nicht allein. Gleichzeitig reifen vielerorts:

  • Himbeeren (Rubus idaeus)
  • Brombeeren (Rubus fruticosus)
  • Heidelbeeren (Vaccinium corymbosum)
  • Stachelbeeren (Ribes uva-crispa)

Dank moderner Züchtungen gibt es heute frühe, mittlere und späte Sorten. Wer genügend Platz hat, kann die Beerensaison dadurch über viele Wochen ausdehnen. Selbst auf Balkon und Terrasse lassen sich mittlerweile kompakte Sorten kultivieren.

Besonders praktisch finde ich die neuen Brombeersorten ohne Dornen. Auch bei Himbeeren gibt es inzwischen Züchtungen, die deutlich weniger Ausläufer bilden und damit leichter im Garten zu kontrollieren sind.

Gesundes direkt aus dem Garten

Beeren sind nicht nur lecker, sondern auch echte Kraftpakete für die Gesundheit.

Sie enthalten zahlreiche Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Besonders geschätzt werden sie wegen ihres hohen Gehalts an Antioxidantien, die unsere Körperzellen schützen können.

Doch nicht nur die Früchte sind interessant. Auch die Blätter vieler Beerensträucher werden traditionell genutzt:

  • Brombeerblätter werden als Tee bei Erkältungen, Husten und Heiserkeit verwendet.
  • Himbeerblättertee gilt seit Jahrhunderten als klassischer Frauenkräutertee.
  • Stachelbeeren werden aufgrund ihrer Inhaltsstoffe eine entzündungshemmende Wirkung nachgesagt.
  • Heidelbeeren sind reich an Vitaminen und wertvollen Pflanzenstoffen.

Ob Marmelade, Saft, Likör, Kuchen oder einfach frisch vom Strauch – Beeren gehören für mich zu den vielseitigsten Früchten überhaupt.

Und was ist mit der Erdbeere?

Natürlich gehört auch die Erdbeere zum Sommer.

Allerdings eignet sie sich nicht als Zeigerpflanze für den Hochsommer. Durch die Vielzahl an frühen, mittleren, späten und sogar dauerhaft tragenden Sorten lässt sich ihre Erntezeit kaum noch eindeutig einer phänologischen Jahreszeit zuordnen.

Trotzdem wäre ein Sommer ohne Erdbeeren kaum vorstellbar. Für viele Gartenbesitzer beginnt mit den ersten roten Früchten überhaupt erst die eigentliche Erntesaison.

Hygge-Tipp für den Hochsommer:
Eine Handvoll frisch gepflückter Beeren, ein schattiger Sitzplatz im Garten und ein gutes Gartenbuch – mehr braucht es manchmal nicht, um einen perfekten Sommertag zu genießen.

Johannisbeere

Vorkommen

Viele unserer heutigen Beeren stammen ursprünglich aus den gemäßigten Regionen der Nordhalbkugel. Wildformen wachsen bis heute in Wäldern, Hecken und an Waldrändern.

Die Walderdbeere und die Heidelbeere begegnen uns noch immer in vielen Wäldern. Brombeeren besiedeln Feldränder, Böschungen und alte Bahndämme. Wer aufmerksam durch die Natur geht, entdeckt überall die wilden Verwandten unserer Gartenbeeren.

Vielleicht macht gerade das ihren besonderen Reiz aus: Sie verbinden unsere Gärten mit der Landschaft und erinnern uns daran, dass viele unserer Lieblingsfrüchte einst ganz ohne menschliche Hilfe gewachsen sind.

Weitere Zeigerpflanzen des Hochsommers

Wer keine Beerensträucher im Garten hat, kann den Beginn des Hochsommers auch an anderen Pflanzen erkennen.

Ein wichtiger Zeiger ist die Winterlinde (Tilia cordata). Wenn ihre gelblich-weißen Blüten erscheinen und ihren intensiven Duft verbreiten, hat der Hochsommer begonnen.

Die Winterlinde wird häufig mit der Sommerlinde verwechselt. Diese blüht jedoch bereits einige Wochen früher und gehört damit noch zum Frühsommer.

Viele Menschen kennen Linden vor allem durch den klebrigen Belag auf Autos, die unter ihnen geparkt werden. Dabei handelt es sich um Honigtau, der von Blattläusen ausgeschieden wird und oft mit den Lindenblüten in Verbindung gebracht wird.

Was passiert jetzt im Garten?

Der Hochsommer ist Erntezeit.

Während viele Stauden ihre volle Höhe erreicht haben, liefern Obst und Gemüse nun fast täglich neue Überraschungen. Gleichzeitig beginnt die Zeit, in der Trockenheit und Hitze den Garten stärker fordern.

Typische Zeigerpflanzen

Die Rote Johannisbeere (Ribes rubrum) gilt als klassische Zeigerpflanze des Hochsommers. Doch meist ist sie nicht allein. Gleichzeitig reifen vielerorts:

Typische Zeigerpflanzen sind:

  • Himbeeren (Rubus idaeus)
  • Brombeeren (Rubus fruticosus)
  • Heidelbeeren (Vaccinium corymbosum)
  • Stachelbeeren (Ribes uva-crispa)

Jetzt ist eine gute Zeit für

  • Beeren ernten und verarbeiten
  • Stauden zurückschneiden, die verblüht sind
  • Samenstände für Vögel teilweise stehen lassen
  • Mulchen gegen Verdunstung
  • Regenwasser sammeln
  • Erste Notizen für spätere Beetveränderungen machen

Besser noch warten mit

  • größeren Gehölzpflanzungen
  • Umpflanzaktionen bei großer Hitze
  • Rasenneuanlagen

Mein persönlicher Blick

Der Hochsommer hat für mich immer etwas von Ferienzeit.

Vielleicht liegt es an den langen Tagen, vielleicht an den vielen Früchten, die jetzt geerntet werden können. Während im Frühjahr die Vorfreude dominiert, belohnt uns der Garten nun für viele Monate der Pflege.

Besonders mag ich die morgendlichen Rundgänge durch den Garten. Oft wandert dabei mehr Obst direkt in meinen Mund als in die Ernteschale. Johannisbeeren, Himbeeren und Heidelbeeren haben schließlich die unangenehme Eigenschaft, sofort gegessen werden zu wollen.

Gleichzeitig zeigt der Hochsommer aber auch die Schattenseiten des Gärtnerns. Trockenheit, Hitzewellen und Pflanzen, die plötzlich doch nicht am richtigen Platz stehen, werden nun sichtbar. Genau deshalb ist diese Jahreszeit auch eine gute Gelegenheit, den Garten aufmerksam zu beobachten und Pläne für die kommenden Jahre zu schmieden.

Sabine van Osenbrüggen

Himbeere

Lindenblüte

Stachelbeere

Jahreskreis & Phänologie

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