Phänologie Frühsommer

Phänologie Frühsommer

Juni – Frühsommer: Wenn der Holunder blüht

„Wer im Juni keine Blüten im Garten hat, hat entweder einen modernen Geröllgarten, in dem keine Blumen erlaubt sind, oder er hat etwas falsch gemacht.“
Gabriella Pape

Der Juni gehört zu den üppigsten Monaten im Gartenjahr. Die Staudenbeete laufen zur Hochform auf, Rosen öffnen ihre ersten Blüten und überall summt und brummt es. In der Phänologie beginnt jetzt der Frühsommer. Sein wichtigster Zeiger ist ein Strauch, der seit Jahrhunderten zu unseren Dörfern, Gärten und Landschaften gehört: der Schwarze Holunder (Sambucus nigra).

Der Holunder – Duftender Bote des Frühsommers

Wenn der Holunder seine großen weißen Blütendolden öffnet, hat der Frühsommer begonnen. Die zahlreichen kleinen, sternförmigen Einzelblüten verströmen einen süßlichen Duft, der Menschen ebenso anzieht wie Bienen, Schwebfliegen, Käfer und viele andere Insekten.

Der Holunder ist einer dieser Sträucher, die ich jedem naturnahen Garten empfehlen würde. Er bietet Nahrung für Insekten, später Früchte für Vögel und zusätzlich eine reiche Ernte für uns Menschen. Dabei ist er erstaunlich unkompliziert.

Ein ausgewachsener Holunder kann vier Meter hoch oder sogar noch größer werden. Seine natürliche Wuchsform wirkt locker und etwas wild, weshalb er besonders gut in naturnahe Gärten passt. Wer weniger Platz hat, kann ihn durch regelmäßigen Schnitt gut in Form halten.

Neben dem klassischen Schwarzen Holunder gibt es auch attraktive Zuchtsorten. Besonders schön finde ich den dunkellaubigen Holunder ‚Black Lace‘, dessen fast schwarzes Laub einen wunderbaren Kontrast zu den zartrosa Blüten bildet. Die Früchte sind bei beiden Varianten tiefschwarz und glänzend.

Ein Strauch voller Möglichkeiten

Der Holunder begleitet die Menschen seit Jahrhunderten. Früher durfte er auf keinem Bauernhof fehlen und galt sogar als Schutzbaum für Haus und Hof.

Auch kulinarisch hat er einiges zu bieten. Aus den Blütendolden lassen sich Holunderblütensirup, Holundersekt oder aromatische Desserts herstellen. Besonders beliebt sind ausgebackene Holunderblüten, die man in Teig taucht und knusprig ausbackt.

Im Herbst folgen die dunklen Beeren. Sie dürfen allerdings nur gekocht verzehrt werden, da rohe Früchte unverträglich sind. Verarbeitet zu Saft, Gelee oder Suppe gehören sie zu den traditionellen Schätzen der Vorratsküche.

Viele Menschen schwören zudem auf Holundersaft bei Erkältungen und fiebrigen Infekten. Ob als Hausmittel oder einfach als leckeres Getränk – Holunder hat in vielen Familien bis heute einen festen Platz.

Holunderblüte

Ein Gewinner des Klimawandels?

Während manche Gartenpflanzen zunehmend unter Hitze und Trockenheit leiden, zeigt sich der Holunder erstaunlich robust.

Er bevorzugt zwar nährstoffreiche, leicht lehmige Böden, kommt aber auch mit weniger idealen Bedingungen zurecht. Sowohl sonnige als auch halbschattige Standorte werden gut vertragen. Hat sich der Strauch einmal etabliert, übersteht er auch längere Trockenphasen deutlich besser als viele andere Gehölze.

Durch sein schnelles Wachstum eignet sich Holunder außerdem hervorragend als Sichtschutz oder als Bestandteil einer naturnahen Hecke. Oft dauert es nicht lange, bis die ersten Vögel zwischen den Zweigen ihre Nester bauen.

Vorkommen

Der Schwarze Holunder ist in weiten Teilen Europas, Nordafrikas und Asiens verbreitet. Er wächst an Waldrändern, Feldhecken, Böschungen und in Gärten. Besonders häufig findet man ihn in Mitteleuropa.

Größere Anbaugebiete für die Fruchtproduktion liegen unter anderem in Österreich, insbesondere in der Oststeiermark. Dort wird Holunder seit vielen Jahren professionell angebaut und verarbeitet.

Wer einmal bewusst auf Holunder achtet, wird feststellen: Der Frühsommer ist voller weißer Blütenwolken. Man muss nur die Augen offen halten.

Was passiert jetzt im Garten?

Der Frühsommer ist die Zeit der Fülle. Fast täglich öffnen sich neue Blüten und viele Stauden erreichen jetzt ihren ersten Höhepunkt.

Rosen beginnen zu blühen, die ersten Erdbeeren werden reif und die Gemüsebeete wachsen oft schneller, als man mit dem Ernten hinterherkommt.

Typische Zeigerpflanzen

Neben dem Holunder gibt es noch weitere Pflanzen, die den Frühsommer ankündigen.

Typische Zeigerpflanzen sind:

  • Pfingstrose (Paeonia)
  • Robinie (Robinia pseudoacacia)
  • Holunder (Sambucus nigra)

Das Ende des Frühsommers wird angezeigt durch:

  • Sommerlinde (Tilia platyphyllos)
  • Liguster (Ligustrum vulgare)

Auch die erste Heuernte fällt traditionell in diese Jahreszeit und zeigt, wie eng die Phänologie mit der Landwirtschaft verbunden ist.

Jetzt ist eine gute Zeit für

  • Stauden stützen und anbinden
  • Verblühtes regelmäßig ausputzen
  • Rosen düngen und pflegen
  • Erdbeeren ernten
  • Insektenfreundliche Pflanzen beobachten und fotografieren
  • Erste Gartennotizen für das nächste Jahr machen

Besser noch warten mit

  • größeren Umpflanzaktionen
  • radikalen Rückschnitten
  • Neupflanzungen bei Hitzeperioden

Mein persönlicher Blick

Der Frühsommer ist für mich die Zeit, in der der Garten seine ganze Kraft zeigt.

Nach den ersten Frühlingsblüten kommt jetzt die große Bühne der Stauden, Rosen und Gehölze. Viele Beete wirken plötzlich wie fertige Gemälde. Die Pflanzen haben ihre endgültige Höhe erreicht und zeigen, ob die Planung funktioniert hat oder ob irgendwo noch eine Lücke entstanden ist.

Besonders liebe ich den Duft des Holunders an warmen Juniabenden. Er erinnert mich an Spaziergänge durch Feldwege, an Kindheitssommer und an selbstgemachten Holunderblütensirup. Für mich gehört dieser Duft genauso zum Frühsommer wie das Summen der Bienen und die ersten Erdbeeren aus dem Garten.

Der Juni ist außerdem die Zeit, in der ich einfach einmal innehalte und genieße. Denn schon bald beginnt die Hochsaison der Gartenarbeit – mit Gießen, Schneiden, Ernten und Jäten. Jetzt darf der Garten einfach nur schön sein.

Sabine van Osenbrüggen

Pfingstrose

Robinie

Lindenblüte

Jahreskreis & Phänologie

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Phänologie Vollfrühling im Mai

Phänologie Vollfrühling im Mai

Mai – Vollfrühling: Wenn der Apfelbaum blüht

„Der Apfelbaum ist aufgeblüht, nun summen alle Bienen.“
James Krüss

Der Mai gehört für mich zu den schönsten Zeiten im Gartenjahr. Alles ist plötzlich da: frisches Grün, warme Tage, Vogelgesang und überall summende Insekten. In der Phänologie beginnt jetzt der Vollfrühling – eine Jahreszeit, die nicht durch ein Kalenderdatum bestimmt wird, sondern durch die Natur selbst.

Die wichtigste Zeigerpflanze dieser Jahreszeit ist der Apfelbaum (Malus domestica). Wenn seine Blüten geöffnet sind, hat der Vollfrühling begonnen.

Der Apfelbaum – König des Vollfrühlings

Die Apfelblüte gehört für mich jedes Jahr zu den schönsten Naturereignissen. Die Bäume wirken, als wären sie mit rosa-weißen Wolken geschmückt. Gleichzeitig beginnt eine der wichtigsten Phasen für die spätere Obsternte.

Doch die Blütezeit ist empfindlich. Viele Apfelsorten blühen mittlerweile deutlich früher als noch vor einigen Jahrzehnten. Das erhöht das Risiko von Spätfrösten. Bereits wenige Frostnächte können die empfindlichen Blüten schädigen und die Ernte stark beeinträchtigen.

In großen Obstanlagen wird deshalb häufig die sogenannte Frostberegnung eingesetzt. Dabei werden die Blüten kontinuierlich mit Wasser besprüht. Während das Wasser gefriert, wird Wärme frei, die die Blüten vor stärkeren Frostschäden schützt. Dieses Verfahren funktioniert allerdings nur, solange ständig neues Wasser nachgeliefert wird.

Im Hausgarten wäre eine ähnliche Methode mit einem Rasensprenger theoretisch möglich. Aufgrund des hohen Wasserverbrauchs ist sie für die meisten Hobbygärtner jedoch kaum praktikabel.

Ohne Bestäuber keine Äpfel

Mindestens genauso wichtig wie das Wetter sind die Bestäuber.

Eine Apfelblüte wird nur dann zu einem Apfel, wenn sie von Insekten besucht wird. Gerade früh blühende Sorten haben manchmal das Problem, dass noch nicht genügend Bienen und andere Bestäuber unterwegs sind.

Deshalb stellen viele Obstbauern während der Blütezeit gezielt Bienenstöcke in ihre Plantagen. Auch Wildbienen leisten dabei Erstaunliches. Studien zeigen, dass sie häufig sogar effizienter bestäuben als Honigbienen.

Wie wichtig Insekten für unsere Ernährung sind, zeigt ein Blick nach Asien. In einigen Regionen Chinas werden Obstbäume inzwischen teilweise von Hand bestäubt, weil natürliche Bestäuber fehlen. Dabei wird deutlich, wie unersetzlich Bienen und Wildbienen sind:

  • Ein Mensch bestäubt an einem Tag etwa 30 Obstbäume.
  • Ein einziges Bienenvolk besucht während einer Saison Millionen von Blüten.

Für mich ist das ein weiterer Grund, den Garten möglichst naturnah zu gestalten und möglichst viele Nahrungspflanzen für Insekten anzubieten.

Apfelbaumblüte

Wie der Apfelbaum zu uns kam

Der Kulturapfel stammt ursprünglich aus Zentral- und Westasien. Über Handelswege gelangte er nach Europa und gehört heute zu den wichtigsten Obstbäumen unseres Kontinents.

Besonders große Anbaugebiete finden sich im Alten Land bei Hamburg, am Bodensee sowie in Südtirol. Doch auch in unzähligen Hausgärten und Streuobstwiesen prägt der Apfelbaum bis heute unsere Kulturlandschaft.

Alte Apfelsorten neu entdecken

Der Apfel gehört für uns zu den selbstverständlichsten Obstsorten überhaupt. Im Supermarkt ist er das ganze Jahr verfügbar. Dabei vergessen wir oft, welche Vielfalt es eigentlich gibt.

Besonders spannend finde ich die alten Sorten. Viele Menschen mit einer Apfelallergie berichten, dass sie alte Sorten besser vertragen als moderne Züchtungen. Vermutet wird, dass dies mit den enthaltenen Polyphenolen zusammenhängt – natürlichen Pflanzenstoffen, die in vielen alten Sorten noch reichlich vorhanden sind.

Diese Stoffe wurden bei modernen Sorten oft reduziert, weil sie dafür sorgen, dass angeschnittene Äpfel schneller braun werden.

Zum Glück kümmern sich heute zahlreiche Obstbauvereine, Landschaftspflegeverbände und engagierte Baumschulen um den Erhalt alter Apfelsorten. Viele dieser Schätze findet man noch auf Streuobstwiesen oder in alten Hausgärten.

Was passiert jetzt im Garten?

Im Vollfrühling explodiert das Wachstum förmlich.

Viele Stauden treiben kräftig aus, Rosen entwickeln ihre ersten Knospen und die ersten Gemüsebeete füllen sich. Jetzt beginnt die Zeit, in der der Garten jeden Tag anders aussieht.

Typische Zeigerpflanzen

Wer keinen Apfelbaum in der Nähe hat, kann den Vollfrühling auch an anderen Pflanzen erkennen.

Typische Zeigerpflanzen sind:

  • Blattentfaltung der Stiel-Eiche (Quercus robur)
  • Blüte des Flieders (Syringa vulgaris)
  • Blüte des Bärlauchs (Allium ursinum)

Das Ende des Vollfrühlings kündigen wiederum andere Pflanzen an:

  • Blüte der Himbeere (Rubus idaeus)
  • Blüte des Weißdorns (Crataegus monogyna)

Sie markieren den Übergang in den Frühsommer.

Jetzt ist eine gute Zeit für

  • Aussaat vieler Sommerblumen
  • Pflanzung frostempfindlicher Gemüsepflanzen nach den Eisheiligen
  • Mulchen der Beete
  • Beobachtung von Bestäubern und Wildbienen
  • Planung naturnaher Blühflächen

Besser noch warten mit

  • starken Rückschnitten an Gehölzen
  • größeren Umpflanzaktionen bei Trockenheit
  • übermäßigem Düngen

Mein persönlicher Blick

Für mich ist der Vollfrühling die Jahreszeit des Optimismus.

Im Vorfrühling freue ich mich über die ersten Blüten. Im Erstfrühling beginnt die Gartensaison langsam Fahrt aufzunehmen. Aber erst im Vollfrühling zeigt die Natur ihre ganze Kraft. Der Garten wirkt plötzlich lebendig, üppig und voller Möglichkeiten.

Besonders liebe ich die Apfelblüte. Sie erinnert mich daran, wie eng unser eigenes Leben mit den Abläufen der Natur verbunden ist. Ohne Blüten keine Früchte, ohne Insekten keine Ernte und ohne Geduld kein Garten.

Vielleicht lohnt es sich gerade im Mai, einmal kurz stehen zu bleiben, dem Summen der Bienen zuzuhören und den blühenden Apfelbaum einfach nur zu genießen.

Sabine van Osenbrüggen

Bärlauch

Flieder

Weißdorn

Jahreskreis & Phänologie

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Zeigerpflanzen aus der Reihenfolge

Zeigerpflanzen aus der Reihenfolge

Phänologie – Theorie und Praxis

Dieses Jahr ist es sehr spannend die Zeigerpflanzen zu beobachten. Da wir in Franken bis Ende Februar Schnee und kalte Temperaturen hatten, konnten die Zeigerpflanzen des Winters und Vorfrühling nicht so richtig loslegen. Deshalb sind in meinem Garten zeitgleich Anfang März die Zeigerpflanzen zeitgleich am Start:

Für den Winter:

Duftschneeball

Winter-Duft-Heckenkirsche

Für den Vorfrühling:

Winterlinge

Schneeglöckchen

Weidenblüte

Für den Erstfrühling:

Kornelkirsche

Forsythieblüte = Rosen schneiden

Die Frage, die sich Gärtner momentan stellen, ob die Forsythienblüte als Zeichen des Erstfrühling wirklich noch valide ist, um dann mit dem Schneiden von Rosen und anderen Gehölzen zu starten. Meine Rosen schlage Anfang März schon kräftig aus, aber die Forsythie blüht bei mir noch nicht, also habe ich diese Jahr beschlossen schon zu schneiden. Mal sehen, ob noch ein Frost kommt und die Forsythie doch recht hat.

Phänologie Erstfrühling

Phänologie Erstfrühling

Erstfrühling – Der Garten erwacht sichtbar

Jetzt wird das Erwachen sichtbar. Farbe und Bewegung kehren zurück.

Der Erstfrühling beginnt nicht nach dem Kalender, sondern mit den ersten deutlich sichtbaren Blüten im Garten. Wenn die Kornelkirsche ihre leuchtend gelben Blüten öffnet, ist der Erstfrühling da. Oft geschieht das bereits Anfang März, manchmal sogar noch früher, wenn der Winter mild war. Bleibt es kühl, kann sich die Blütezeit bis in den April hineinziehen.

Typische Zeigerpflanzen

Die wichtigste Zeigerpflanze des Erstfrühlings ist die Kornelkirsche. Ihre kleinen, gelben Blüten sitzen in doldenartigen Büscheln und wirken aus der Ferne wie kleine, luftige Bälle. Bei älteren, größeren Exemplaren scheint der ganze Baum in eine gelbe Wolke gehüllt zu sein.

Die Blüten sind nicht nur schön anzusehen – sie sind auch eine wichtige Nahrungsquelle für die ersten Bienen und Hummeln nach dem Winter. Mit ihrem honigartigen Duft locken sie zahlreiche Insekten an, darunter auch Fliegen und Käfer.

Wer keine Kornelkirsche im Garten oder in der Nachbarschaft hat, kann sich an einer anderen klassischen Frühlingsbotin orientieren: der Forsythie. Früher war sie in vielen Vorgärten zu finden und wurde zu Ostern oft mit bunten Eiern geschmückt. Heute ist sie etwas aus der Mode gekommen, weil sie außerhalb der Blütezeit eher unscheinbar wirkt. Doch ihre gelben Blüten sind ein zuverlässiges Zeichen dafür, dass der Winter vorbei ist. Deshalb gilt sie auch als praktische Zeigerpflanze für den richtigen Zeitpunkt des Rosenrückschnitts.

Was im Garten jetzt passiert

Der Garten erwacht nun sichtbar aus dem Winter. Frühblüher sorgen für erste Farbtupfer und ziehen die ersten Insekten an. Besonders schön wirken gelbe Frühlingsboten zusammen mit blau blühenden Zwiebelpflanzen wie dem Scilla sibirica oder der Muscari armeniacum. Wer im gelben Farbspektrum bleiben möchte, kann den Eranthis hyemalis pflanzen.

Auch Stiefmütterchen oder kleine Hornveilchen, die im Herbst oder Winter in Blumenkästen standen, können jetzt wieder ausgepflanzt werden. Mit etwas Glück zeigen sie schon bald neue gelbe oder violette Blüten.

Im Erstfrühling beginnt außerdem die Blüte des Löwenzahn. Für viele ist er ein Unkraut, für andere ein wertvolles Wildkraut. Seine jungen Blätter eignen sich gut für einen Frühlingssalat oder als Tee zur Unterstützung der Leber.

Was diese Jahreszeit für Gärtnerinnen bedeutet

Der Erstfrühling ist eine gute Zeit für viele klassische Gartenarbeiten. Dazu gehört vor allem der Rückschnitt der Rosen – ein Zeitpunkt, der traditionell an der Blüte der Forsythie erkannt wird. Auch erste Staudenpflege, das Aufräumen der Beete und das Teilen kräftig gewachsener Pflanzen können jetzt erfolgen.

Mit größeren Pflanzungen oder empfindlichen Kulturen sollte man jedoch noch etwas warten. Spätfröste sind im Erstfrühling immer noch möglich.

Mein persönlicher Blick auf diese Jahreszeit

Für mich hat der Erstfrühling eine ganz besondere Stimmung. Noch ist der Garten nicht vollständig grün, aber überall tauchen erste Farbtupfer auf. Die gelben Blüten der Kornelkirsche wirken wie kleine Sonnen im Garten und machen sofort gute Laune.

Wenn der Baum später im Jahr seine roten Früchte trägt, sind die Vögel meist schneller als ich. Für eine richtige Ernte war ich bisher noch nie schnell genug – aber ich gönne sie ihnen gerne. Sollte man doch einmal genügend Früchte erwischen, lassen sie sich wunderbar zu Marmelade verarbeiten.

Ein schöner Trick ist übrigens, schon vor der Blüte einige Zweige der Kornelkirsche ins Haus zu holen und in der Vase vortreiben zu lassen. So kann man sich den Erstfrühling bereits im Februar ins Wohnzimmer holen.

Das Ende des Erstfrühlings kündigt sich schließlich an, wenn sich die großen Knospen der Rosskastanie öffnen und ihre frischen grünen Blätter erscheinen. Dann beginnt langsam die nächste phänologische Jahreszeit: der Vollfrühling.

Vorkommen der Kornelkirsche

Die Kornelkirsche ist ein Wildobstgehölz, das ursprünglich aus den südlichen Regionen Europas stammt. Sie kommt auch in der Türkei, Armenien und in Teilen Südrusslands vor. In Deutschland gibt es natürliche Bestände beispielsweise im Moselgebiet oder in Franken. Heute findet man sie jedoch in vielen Parks und Gärten im ganzen Land, von wo aus sie sich teilweise wieder verbreitet.

Weitere Informationen zur Kornelkirsche gibt es hier:
https://www.baumschule-horstmann.de/shop/exec/product/687/16/kornelkirsche.html

Was im Garten jetzt passiert

  • Stauden treiben aus

  • Zwiebelpflanzen blühen

  • Insekten werden aktiv

Typische Zeigerpflanzen

  • Forsythie

  • Buschwindröschen

  • Kornelkirsche

Jetzt ist eine gute Zeit für

  • erste Aussaaten

  • Staudenpflege

  • leichte Bodenarbeiten

Besser noch warten mit

  • frostempfindlichen Pflanzen

Kornelkirsche

Mein persönlicher Blick

Der Erstfrühling ist pure Hoffnung. Jeder Austrieb fühlt sich wie ein kleines Versprechen an.

Sabine van Osenbrüggen

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Phänologie Vorfrühling (Februar)

Phänologie Vorfrühling (Februar)

Vorfrühling – Wenn der Winter langsam loslässt

Schneeglöckchen, ei, bist du schon da?
Ist denn der Frühling schon so na? 

Hugo von Hofmannsthal (1874-1929)

Das Schneeglöckchen

Das Schneeglöckchen (Galanthus) blüht oft schon, wenn noch eine Schneedecke über den Beeten liegt. Es zeigt uns den Beginn des Vorfrühlings an. Das Schneeglöckchen hat viele verschiedene Blütenformen, ist aber in der Grundfarbe immer weiss. Warum kann denn das Schneeglöckchen bei Frost überleben? Es lagert Salz ein und senkt damit den Gefrierpunkt, ähnlich wie bei salzigem Meerwasser. Man bekommt das Schneeglöckchen nicht nur im Herbst als trockene Zwiebel, sondern von speziellen Züchtern auch als frisches Pflänzchen im Frühjahr.

Schneeglöckchen und die Engländer

Manche Exemplare der Schneeglöckchen sind so selten oder so teuer, dass man auch nur eine Zwiebel bekommen kann. Die Engländer sind ganz begeistert von den Schneeglöckchen. Es gibt extra Versteigerungen für die seltenen Exemplare. Im Englischen heißen Schneeglöckchen Schneetropfen, „snowdrops“, der Form ihrer Blütenblätter wegen. Gärten oder Landsitze öffnen die Pforten mit Winter extra zur „Snowdrops-Walks“ oder „Snowdrop-Events“. Ist man einmal der Sammelleidenschaft diesseits und jenseits des Kanals verfallen, kann man gar nicht genug verschiedene Pflanzen dieser Frühjahrsblüher im Garten haben.

Schneeglöckchen und ihre Kollegen

Das gleiche gilt für den Winterling (Eranthis), auch er blüht im Vorfrühling, allerdings in gelb. Hier gibt es ebenfalls ganz viele verschiedenen Züchtungen, die einen Blüten haben grüne Streifen, die anderen orange farbende Staubgefäße oder die Blätter sind mal zarten und mal robuster. Neue Züchtungen findet man sogar in weiss-blau (Eranthis Pinnatifida), von Werner Voigt. Meiner Erfahrung nach ist der Winterling aber etwas heikel. Bisher hat er sich bei mir im Garten in Franken nicht gut etabliert und leider auch nicht ausgebreitet. In Dänemark hatte ich damit viel mehr Erfolg, vielleicht war es dort auch kälter, denn ohne Kältereiz keimt er nicht. Er mag es auch nicht trocken, dann vertrocknen die Ausläufer (Rhizome) mit denen er sich vermehrt. Egal für welchen Frühjahrsblüher man sich entscheidet, es ist so schön, wenn man im Vorfrühling schon mal etwas blühendes im Garten hat. Und die eine oder andere frühe Hummel freut sich erst recht über den Nektar. Dafür haben die Schneeglöckchen die hellgrünen Sginalflecken an den Blütenblättern, damit Bienen und Hummeln sie gut im Schnee entdecken können.

Was im Garten jetzt passiert

  • Boden taut langsam auf
  • Knospen schwellen
  • Mikroorganismen werden aktiv

Der Garten „erwacht“ innerlich – äußerlich bleibt er noch zurückhaltend.

Typische Zeigerpflanzen

Der Vorfrühling wird angezeigt durch die Blüte früher Gehölze, die mit erstaunlicher Widerstandskraft auftreten:

  • Hasel – Blüte der Kätzchen

  • Erle –  Kätzchenblüte

  • Schneeglöckchen 

  • Winterjasmin

  • Zaubernuss 

Diese Pflanzen reagieren stark auf steigende Temperaturen und zunehmendes Licht – nicht auf den Kalender. In manchen Jahren beginnt der Vorfrühling bereits im Februar, in anderen erst im März.

Jetzt ist eine gute Zeit für

  • Ruhe bewahren 
  • Kontrollgänge
  • Gehölzschnitt an frostfreien Tagen
  • Umgefallenen Stauden schneiden

Besser noch warten mit

  • Aussaat empfindlicher Kulturen
  • Pflanzung frostempfindlicher Stauden
  • großen Bodenarbeiten bei Nässe

Schneeglöckchen

Mein persönlicher Blick

Ich liebe diese unscheinbare Zeit des Vorfrühlings. Wenn das erste Grün aus der Erde spitzt, atme ich auf.

Sabine van Osenbrüggen

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Phänologie – Winter (Januar)

Phänologie – Winter (Januar)

Der Winter – erste Blüten

„Es wird durchgeblüht“

Karl Foerster

Die Zaubernuss

Ja, Karl Foerster hatte Recht mit seinem Anspruch, denn auch im Winter blühen Gehölze. Zu den Winterblühern gehört die Zaubernuss (Hamamelis), die gelben Blüten hervorbringt, wenn alles im Garten noch in Winterruhe ist. Die Blüten sehen aus wie gelockt.  Die Zaubernuss kann sie bei Frost auch tatsächlich wieder einrollen, sodass sie nicht beschädigt werden. Früchte, wie wir sie von der Haselnuss kennen, bringt sie nicht hervor. In manchen Jahren sieht man neben den Blütenansätzen ganz kleine Nüsschen. Diese Nüsschen werden aber nur für die Medizin genutzt, z. B. in der Homöopathie. In England wird die Zaubernuss, Hexennuss (Witch Hazel) genannt. Die Zaubernuss ist nicht nur im Winter oder Vorfrühling attraktiv, sie hat noch einen zweiten Auftritt im Garten, nämlich im Herbst. Je nach Sorte bekommt sie leuchtend gelbe oder orange Blätter – ein Farbzauber. Es gibt die Zaubernuss auch mit roten oder orangen Blüten, die Herbstfärbung ist nicht unbedingt passend zur Blühfarbe. Von der Zaubernuss kennen wir sechs Arten, die chinesische (Hammamelis mollis) und die japanische (Hamamelis japonica), sowie ihre Kreuzungen ( x intermedia) kennen wir als Winterblüher. Noch ziemlich unbekannt in unseren Gärten ist die amerikanische Art (Hamamelis virginiana), die im Herbst blüht.

Neben der Zaubernuss gibt es noch weitere Winterblüher, wie Winter- oder Duftschneeball (Virburnum bodnantense), der in weiss oder rosa blüht. Winter-Duft-Heckenkirsche (Lonicera purpusii), Winterjasmin (Jasminum rudiflorum) in strahlendem gelb oder Winter-Kirsche (Prunus subhirtella ‚Autumnalis‘).  

In der Phänologie zeigt die Zaubernuss das Ende des Winters an, daher ist es interessant zu beobachten, ob der Januar wirklich noch in den Winter gehört oder schon in den Vorfrühling. Seit einigen Jahren beginnt die Haselblüte, das Zeigerpflanze für den Vorfrühling, bereits im Januar. Sehr zum Ärger der vielen Pollenallergiker. Auch sieht man häufig schon die ersten Schneeglöckchen durch den Schnee blitzen. Hier ist es spannend die Natur genau zu beobachten und über die Jahre die Veränderung zu notieren. Mir ist auch aufgefallen, dass in einigen Jahren manche Winterblüher im Garten ganz ausfallen. Man vermutet, dass der Kältereiz nicht mehr ausreicht, dass sie den Startschuss zum Blühen bekommen.

Was im Garten jetzt passiert

  • Pflanzen ziehen Energie in Wurzeln und Knospen zurück

  • Bodenleben verlangsamt sich

  • Gehölze kommen aus der Winterruhe

Typische Zeigerpflanzen

  • Winter- oder Duftschneeball (Virburnum bodnantense)
  • Zaubernuss (Hamamelis)
  • Winter-Duft-Heckenkirsche (Lonicera purpusii)
  • Winterjasmin (Jasminum nudiflorum)
  • Winter-Kirsche (Prunus subhirtella ‚Autumnalis

Jetzt ist eine gute Zeit für

  • Beobachten

  • Planen

  • Gehölze kontrollieren und schneiden an frostfreien Tagen

  • an frostfreien Tagen wässern

Besser noch warten mit

  • Pflanzungen
  • Bodenarbeiten

Duftschneeball

Manchmal schon im Dezember zeigt uns der Duftschneeball (Virburnum bodnantense) seine schönen rosa Blüten. Wenn man an den Blüten riecht, kann man schon den Frühling erahnen.

Die Blüten reichen oft noch bis in den April und bieten dann auch den frühen Insekten etwas Nahrung.

Zaubernuss – das Ende des Winters

Im Januar tritt die Zaubernuss (Hamamelis) auf den Plan.
Ihre gekräuselten gelben, orangefarbenen oder roten Blüten erscheinen, wenn sonst kaum etwas blüht. Sie kann ihre Blüten bei Frost sogar einrollen, um Schäden zu vermeiden.

In der Phänologie gilt die Zaubernuss als Zeigerpflanze für das Ende des Winters.
Blüht sie früh, kann das ein Hinweis sein, dass der Vorfrühling bereits begonnen hat.

Mein persönlicher Blick

Im Januar bin ich meistens vertieft in die Planung für den Frühling. Was will ich dieses Jahr ausprobieren, welche Beete brauchen eine Erneuerung und welche Gemüsesamen sollen in die Hochbeete.

Sabine van Osenbrüggen

Jahreskreis & Phänologie

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