Im Früherbst leuchten die Beeren der Eberesche

In den Zweigen dort im Baum,

Purpur Rot ein Früchtetraum.

Nora Marquardt

Die Eberesche

Wenn die Früchte der Eberesche in leuchtendem Orange-Rot zwischen den Zweigen hängen, beginnt der Frühherbst. Die auch als Vogelbeere bekannte Eberesche (Sorbus aucuparia) ist eine der schönsten Zeigerpflanzen dieser Jahreszeit und begleitet uns mit ihren Reizen nahezu durch das ganze Gartenjahr.

Bereits im Frühjahr treibt sie ihre charakteristischen, gefiederten Blätter aus. Die einzelnen Blättchen sind fein gezähnt und verleihen dem Baum eine leichte, fast filigrane Erscheinung. Wenige Wochen später erscheinen große, weiße Blütenschirme, die zahlreiche Insekten anlocken. Für Wildbienen, Käfer und Schwebfliegen sind sie eine wichtige Nahrungsquelle.

Die Eberesche wächst meist schlank und locker aufgebaut. Dadurch eignet sie sich auch für kleinere Gärten, obwohl sie im Alter durchaus Höhen von bis zu 15 Metern erreichen kann. Besonders wertvoll ist sie für naturnahe Gärten, denn kaum ein heimisches Gehölz bietet so vielen Tierarten Nahrung und Lebensraum.

Der große Auftritt im Herbst

Im September zeigt die Eberesche ihre wohl schönste Seite. Die zahlreichen Fruchtstände leuchten weithin sichtbar in kräftigen Orange- und Rottönen. Botanisch betrachtet handelt es sich dabei nicht um Beeren, sondern um kleine Apfelfrüchte, denn die Eberesche gehört zur Familie der Rosengewächse. Tatsächlich erinnern die Früchte ein wenig an winzige Hagebutten.

Für viele Vogelarten sind die Früchte ein wichtiges Nahrungsangebot. Amseln, Drosseln, Seidenschwänze und Stare bedienen sich gerne an den reich gedeckten Tischen. Daher stammt auch der Volksname „Vogelbeere“.

Für uns Menschen sind die Früchte roh nur eingeschränkt genießbar. Sie enthalten Parasorbinsäure, die ihnen ihren bitteren Geschmack verleiht und Magenbeschwerden verursachen kann. Durch Kochen oder nach den ersten Frösten wird diese Säure jedoch abgebaut. Dann lassen sich die Früchte zu Gelee, Konfitüre oder Saft verarbeiten. Trotz der Verarbeitung bleibt ein hoher Gehalt an Vitamin C erhalten.

In einigen Regionen Österreichs wird aus den Früchten sogar ein hochwertiger Brand hergestellt. Im Fichtelgebirge wiederum gehören Vogelbeeren traditionell zu bestimmten Kräuterlikören.

Auch für herbstliche Dekorationen sind die Fruchtstände sehr beliebt. Zusammen mit Hagebutten, Gräsern und buntem Laub ergeben sie wunderschöne Sträuße und Kränze.

Eberesche

Vorkommen

Die Eberesche ist in weiten Teilen Europas heimisch. Ihr Verbreitungsgebiet reicht von den Küstenregionen bis in die Gebirge und von Westeuropa bis nach Westsibirien. Selbst auf den Färöer-Inseln, in Skandinavien, auf den Azoren und in den Gebirgen Südeuropas ist sie anzutreffen. Durch ihre Robustheit und Anpassungsfähigkeit zählt sie zu den wichtigsten heimischen Wildgehölzen und ist sowohl in Wäldern als auch in Parks und Gärten zu finden.

Was passiert jetzt im Garten?

Der Frühherbst ist die Zeit der Ernte. Äpfel, Birnen, Pflaumen und viele Gemüsesorten sind nun reif. Gleichzeitig beginnt die Natur langsam, ihre Kräfte für den Winter zu sammeln.

Die ersten Gehölze zeigen bereits leichte Herbstfärbungen. Stauden wie Fetthenne, Sonnenhut oder Herbstanemonen stehen noch in voller Blüte und bieten Insekten wertvolle Nahrung. Viele Vögel beginnen, Vorräte anzulegen oder sich auf den Zug in den Süden vorzubereiten.

Für uns Gärtnerinnen und Gärtner ist dies eine Zeit zwischen Genießen und Planen. Die Hauptarbeit des Sommers ist geschafft, gleichzeitig beginnt bereits die Vorbereitung auf das nächste Gartenjahr.

Typische Zeigerpflanzen

Wer keine Eberesche in der Nähe hat, kann den Beginn des Frühherbstes auch an anderen Pflanzen erkennen:

  • Die Haselnuss (Corylus avellana) trägt nun reife Früchte.
  • Die Früchte des Schwarzen Holunders (Sambucus nigra) färben sich tiefschwarz.
  • Auch die roten Früchte der Kornelkirsche (Cornus mas) werden nun reif.

Mit ihrer Fruchtreife kündigen sie bereits das Ende des Frühherbstes und den Übergang zum Vollherbst an.

Jetzt ist eine gute Zeit für

  • Obst und Gemüse zu ernten und haltbar zu machen
  • Stauden zu teilen und neu zu pflanzen
  • Gehölze für Herbstpflanzungen auszuwählen
  • Blumenzwiebeln für das kommende Frühjahr zu bestellen
  • Samen von Stauden und Sommerblumen zu sammeln
  • neue Gartenprojekte für das nächste Jahr zu planen

Besser noch warten mit

  • starkem Rückschnitt an Gehölzen
  • dem vollständigen Abräumen verblühter Stauden
  • größeren Bodenbearbeitungen bei anhaltender Trockenheit
  • dem Entfernen von Samenständen, die Vögeln als Nahrung dienen können

Mein persönlicher Blick

Der Frühherbst gehört für mich zu den schönsten Zeiten im Gartenjahr. Die große Sommerhitze ist meist vorbei, die Tage sind oft angenehm warm und das Licht bekommt eine ganz besondere Qualität. Die tief stehende Sonne lässt Früchte und Blätter regelrecht leuchten.

Gerade die Eberesche fällt mir in dieser Jahreszeit immer wieder auf. Während viele Gehölze noch grün sind, trägt sie bereits ihre farbenfrohen Fruchtstände und kündigt damit den kommenden Herbst an. Gleichzeitig erinnert sie daran, wie wichtig Gehölze sind, die nicht nur für uns Menschen schön aussehen, sondern auch einen echten Mehrwert für die Tierwelt bieten.

Wenn ich durch den Garten gehe und die ersten Äpfel einsammle, beginnt für mich bereits die Planungszeit für das nächste Jahr. Vielleicht ist genau das das Besondere am Gärtnern: Während man die Ernte genießt, entstehen im Kopf schon die Ideen für den nächsten Frühling.

Sabine van Osenbrüggen

Holunderbeeren

Haselnuss - junge Früchte

Kornelkirsche

Jahreskreis & Phänologie

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