November – Spätherbst
„Es war die Nachtigall und nicht die Lerche“
William Sharespeare
Die Lärche
Mit einem kleinen Augenzwinkern beginnen wir diese Jahreszeit. Gemeint ist hier natürlich nicht der Vogel Lerche, sondern die Europäische Lärche (Larix decidua). Sie ist eine der wichtigsten Zeigerpflanzen des Spätherbstes und besitzt eine Besonderheit, die sie unter den heimischen Nadelbäumen einzigartig macht: Sie wirft im Herbst ihre Nadeln ab.
Während Fichten, Tannen und Kiefern das ganze Jahr über grün bleiben, verfärben sich die weichen Nadeln der Lärche im Herbst leuchtend goldgelb, bevor sie schließlich zu Boden fallen. Damit zeigt uns die Natur unmissverständlich an: Der Winter steht vor der Tür.
Bereits im Frühjahr ist die Lärche ein faszinierender Baum. Die männlichen Blüten erscheinen als kleine gelbliche Kätzchen an der Unterseite der Zweige, während die weiblichen Blüten in einem kräftigen Rotviolett auf den Zweigen stehen. Aus ihnen entwickeln sich die dekorativen Zapfen, die zunächst rötlich gefärbt sind und später braun werden. Oft bleiben sie noch viele Monate am Baum hängen und verleihen ihm auch im Winter Struktur.
Die frisch austreibenden Nadeln gehören für mich zu den schönsten Frühlingserscheinungen überhaupt. Sie sind weich, zartgrün und bilden einen wunderbaren Kontrast zu den dunklen Wäldern, in denen die Lärche häufig wächst.
Ursprünglich ist die Lärche ein Baum der Gebirge. Durch die Forstwirtschaft wurde sie jedoch weit verbreitet und ist heute auch in vielen Mittelgebirgen zu finden. Für kleine Privatgärten eignet sie sich allerdings kaum, da sie Höhen von 30 bis 50 Metern erreichen kann. Zudem werfen die Nadeln große Mengen organischen Materials ab, das aufgrund seines hohen Gerbstoffgehalts nur langsam verrottet.
Ihr Holz hingegen ist äußerst wertvoll. Lärchenholz gilt als besonders widerstandsfähig gegen Witterungseinflüsse und wird gerne für Fassaden, Zäune, Hochbeete oder Gartenmöbel verwendet. Wer einmal ein Hochbeet aus Lärchenholz gebaut hat, weiß die Langlebigkeit dieses Materials zu schätzen.
Für uns Gärtnerinnen und Gärtner signalisiert der Nadelfall der Lärche vor allem eines: Die Gartenarbeiten sollten nun langsam abgeschlossen werden.

Die Walnuss
Vorkommen
Was passiert jetzt im Garten?
Das Gartenjahr neigt sich seinem Ende entgegen. Das Wachstum ist weitgehend abgeschlossen und viele Pflanzen ziehen sich in ihre Winterruhe zurück.
Nach den ersten stärkeren Frösten fallen viele Stauden und Einjährige in sich zusammen. Die letzten Rosenblüten verabschieden sich und werden oft vom Regen oder Frost gezeichnet. Überall bedeckt fallendes Laub die Beete und Wege.
Die Struktur des Gartens wird nun sichtbar: Gehölze, Gräser und Samenstände übernehmen die Hauptrolle. Gerade an frostigen Morgen entstehen dabei wunderschöne Bilder, wenn Raureif Zweige, Samenstände und Spinnennetze mit einem silbernen Glanz überzieht.
Typische Zeigerpflanzen
Neben der Lärche helfen uns noch andere Pflanzen bei der Bestimmung dieser Jahreszeit:
- Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) – ihre intensive Laubfärbung zeigt den Spätherbst an.
- Stieleiche (Quercus robur) – die Blätter verfärben sich zunehmend braun.
- Der Laubfall der Sommerlinde (Tilia platyphyllos) markiert schließlich das Ende des Spätherbstes und den Übergang zum Winter.
Jetzt ist eine gute Zeit für
- den Rückschnitt kranker Rosentriebe und das Entfernen von befallenem Laub, um Pilzkrankheiten vorzubeugen
- das Liegenlassen von gesundem Laub auf den Beeten als natürlichen Winterschutz
- das Aufhäufen von Laub an geschützten Stellen als Winterquartier für Igel
- die Ernte der letzten Quitten
- den Beginn der Vogelfütterung, falls nicht ganzjährig gefüttert wird
- das Hochbinden hoher Gräser
- die gründliche Reinigung und Pflege von Gartengeräten und Scheren
Besser noch warten mit
- dem Rückschnitt der Stauden. Viele Samenstände dienen Vögeln als Nahrungsquelle und bieten zudem einen wunderschönen Winteraspekt.
- dem Abschneiden der Gräser. Sie schützen ihr eigenes Herz vor Frost und sehen mit Raureif oder Schnee oft besonders reizvoll aus.
- größeren Pflanzaktionen bei gefrorenem oder sehr nassem Boden.
Mein persönlicher Blick
Wenn der November nass, grau und kalt daherkommt, fällt mir die Gartenarbeit manchmal schwer. Mit kalten Fingern die letzten Aufgaben zu erledigen, gehört nicht gerade zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Gleichzeitig macht es mich jedes Jahr ein wenig wehmütig, wenn Stauden zusammenfallen und der Garten zunehmend seine Farben verliert.
Doch genau dann beginnt auch die Zeit des Rückblicks. Wenn die Arbeit erledigt ist, setze ich mich gerne mit einer Tasse Kaffee, warm eingepackt, auf die Terrasse und schaue über den Garten. Ich denke darüber nach, was gut gelungen ist, welche Pflanzen überrascht haben und was ich im kommenden Jahr anders machen möchte.
Und meistens passiert dann etwas, das wohl viele Gärtnerinnen und Gärtner kennen: Noch bevor das aktuelle Gartenjahr ganz beendet ist, entstehen bereits die ersten Ideen für das nächste. Die Notizbücher werden hervorgeholt, Skizzen entstehen – und während draußen der Winter Einzug hält, wächst im Kopf bereits der Garten des kommenden Jahres.

Kastanie

Sommerlinde

Lärche
Jahreskreis & Phänologie
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