Einsames Schneeglöckchen

Einsames Schneeglöckchen

Einsame Schneeglöckchen im Garten

Neulich habe ich einen Newsletter gelesen und wunderschöne Gartenbilder aus England gesehen – voller Schneeglöckchen. Dichte, blühende Teppiche, sogenannte „Tuffs“, wie man sie sich wünscht. Überall war zu lesen, dass sich Schneeglöckchen mit der Zeit ganz von selbst zu solchen Horsten entwickeln. Man könne sie sogar teilen, entweder während der Blüte oder kurz danach – „in the green“, wie es so schön heißt.

Klingt wunderbar. Nur leider sieht mein Garten ganz anders aus.

Bei mir stehen die Schneeglöckchen jedes Jahr wieder einzeln im Beet. Ich habe die kleinen Zwiebeln über den ganzen Garten verteilt, aber sie kommen stets allein zurück – hübsch, aber eben ziemlich einsam. Dabei heißt es doch, sie vermehren sich sogar über Samen, die zum Beispiel von Ameisen verbreitet werden.
Da stellt sich mir unweigerlich die Frage: Habe ich etwa besonders faule Ameisen im Garten?

Inzwischen glaube ich, dem Rätsel auf die Spur gekommen zu sein. In verschiedenen Beschreibungen wird nämlich erwähnt, dass Schneeglöckchen bevorzugt unter Sträuchern und Bäumen wachsen. Dort sind sie zum einen besser vor Störungen geschützt, zum anderen ist die Wasserversorgung gleichmäßiger. Und das könnte bei meinem sandigen Boden tatsächlich der entscheidende Punkt sein – gerade im Winter. Dieses Jahr ist das weniger problematisch, denn der Schnee sorgt für eine gute Durchfeuchtung.

Als ich mir Fotos aus den letzten Jahren angesehen habe, fiel mir noch etwas auf: An genau einer Stelle haben sich meine Schneeglöckchen richtig gut vermehrt. Und wo war das? Unter meiner Quitte.

Damit ist klar: Ich habe ein neues To‑do für dieses Gartenjahr. Alle einsamen Schneeglöckchen werden ausgegraben und unter Sträucher umgesetzt. Und wenn die Ameisen dann auch noch ihren Job machen, könnte ich mich vielleicht 2027 über deutlich mehr Schneeglöckchen im Garten freuen.

Man lernt nie aus. Wie schön, dass unsere Mitbewohner so individuell sind.

Sabine

Phänologie – Winter (Januar)

Phänologie – Winter (Januar)

Der Winter – erste Blüten

„Es wird durchgeblüht“

Karl Foerster

Die Zaubernuss

Ja, Karl Foerster hatte Recht mit seinem Anspruch, denn auch im Winter blühen Gehölze. Zu den Winterblühern gehört die Zaubernuss (Hamamelis), die gelben Blüten hervorbringt, wenn alles im Garten noch in Winterruhe ist. Die Blüten sehen aus wie gelockt.  Die Zaubernuss kann sie bei Frost auch tatsächlich wieder einrollen, sodass sie nicht beschädigt werden. Früchte, wie wir sie von der Haselnuss kennen, bringt sie nicht hervor. In manchen Jahren sieht man neben den Blütenansätzen ganz kleine Nüsschen. Diese Nüsschen werden aber nur für die Medizin genutzt, z. B. in der Homöopathie. In England wird die Zaubernuss, Hexennuss (Witch Hazel) genannt. Die Zaubernuss ist nicht nur im Winter oder Vorfrühling attraktiv, sie hat noch einen zweiten Auftritt im Garten, nämlich im Herbst. Je nach Sorte bekommt sie leuchtend gelbe oder orange Blätter – ein Farbzauber. Es gibt die Zaubernuss auch mit roten oder orangen Blüten, die Herbstfärbung ist nicht unbedingt passend zur Blühfarbe. Von der Zaubernuss kennen wir sechs Arten, die chinesische (Hammamelis mollis) und die japanische (Hamamelis japonica), sowie ihre Kreuzungen ( x intermedia) kennen wir als Winterblüher. Noch ziemlich unbekannt in unseren Gärten ist die amerikanische Art (Hamamelis virginiana), die im Herbst blüht.

Neben der Zaubernuss gibt es noch weitere Winterblüher, wie Winter- oder Duftschneeball (Virburnum bodnantense), der in weiss oder rosa blüht. Winter-Duft-Heckenkirsche (Lonicera purpusii), Winterjasmin (Jasminum rudiflorum) in strahlendem gelb oder Winter-Kirsche (Prunus subhirtella ‚Autumnalis‘).  

In der Phänologie zeigt die Zaubernuss das Ende des Winters an, daher ist es interessant zu beobachten, ob der Januar wirklich noch in den Winter gehört oder schon in den Vorfrühling. Seit einigen Jahren beginnt die Haselblüte, das Zeigerpflanze für den Vorfrühling, bereits im Januar. Sehr zum Ärger der vielen Pollenallergiker. Auch sieht man häufig schon die ersten Schneeglöckchen durch den Schnee blitzen. Hier ist es spannend die Natur genau zu beobachten und über die Jahre die Veränderung zu notieren. Mir ist auch aufgefallen, dass in einigen Jahren manche Winterblüher im Garten ganz ausfallen. Man vermutet, dass der Kältereiz nicht mehr ausreicht, dass sie den Startschuss zum Blühen bekommen.

Was im Garten jetzt passiert

  • Pflanzen ziehen Energie in Wurzeln und Knospen zurück

  • Bodenleben verlangsamt sich

  • Gehölze kommen aus der Winterruhe

Typische Zeigerpflanzen

  • Winter- oder Duftschneeball (Virburnum bodnantense)
  • Zaubernuss (Hamamelis)
  • Winter-Duft-Heckenkirsche (Lonicera purpusii)
  • Winterjasmin (Jasminum nudiflorum)
  • Winter-Kirsche (Prunus subhirtella ‚Autumnalis

Jetzt ist eine gute Zeit für

  • Beobachten

  • Planen

  • Gehölze kontrollieren und schneiden an frostfreien Tagen

  • an frostfreien Tagen wässern

Besser noch warten mit

  • Pflanzungen
  • Bodenarbeiten

Duftschneeball

Manchmal schon im Dezember zeigt uns der Duftschneeball (Virburnum bodnantense) seine schönen rosa Blüten. Wenn man an den Blüten riecht, kann man schon den Frühling erahnen.

Die Blüten reichen oft noch bis in den April und bieten dann auch den frühen Insekten etwas Nahrung.

Zaubernuss – das Ende des Winters

Im Januar tritt die Zaubernuss (Hamamelis) auf den Plan.
Ihre gekräuselten gelben, orangefarbenen oder roten Blüten erscheinen, wenn sonst kaum etwas blüht. Sie kann ihre Blüten bei Frost sogar einrollen, um Schäden zu vermeiden.

In der Phänologie gilt die Zaubernuss als Zeigerpflanze für das Ende des Winters.
Blüht sie früh, kann das ein Hinweis sein, dass der Vorfrühling bereits begonnen hat.

Mein persönlicher Blick

Im Januar bin ich meistens vertieft in die Planung für den Frühling. Was will ich dieses Jahr ausprobieren, welche Beete brauchen eine Erneuerung und welche Gemüsesamen sollen in die Hochbeete.

Sabine van Osenbrüggen

Jahreskreis & Phänologie

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