Juni – Frühsommer: Wenn der Holunder blüht

„Wer im Juni keine Blüten im Garten hat, hat entweder einen modernen Geröllgarten, in dem keine Blumen erlaubt sind, oder er hat etwas falsch gemacht.“
Gabriella Pape

Der Juni gehört zu den üppigsten Monaten im Gartenjahr. Die Staudenbeete laufen zur Hochform auf, Rosen öffnen ihre ersten Blüten und überall summt und brummt es. In der Phänologie beginnt jetzt der Frühsommer. Sein wichtigster Zeiger ist ein Strauch, der seit Jahrhunderten zu unseren Dörfern, Gärten und Landschaften gehört: der Schwarze Holunder (Sambucus nigra).

Der Holunder – Duftender Bote des Frühsommers

Wenn der Holunder seine großen weißen Blütendolden öffnet, hat der Frühsommer begonnen. Die zahlreichen kleinen, sternförmigen Einzelblüten verströmen einen süßlichen Duft, der Menschen ebenso anzieht wie Bienen, Schwebfliegen, Käfer und viele andere Insekten.

Der Holunder ist einer dieser Sträucher, die ich jedem naturnahen Garten empfehlen würde. Er bietet Nahrung für Insekten, später Früchte für Vögel und zusätzlich eine reiche Ernte für uns Menschen. Dabei ist er erstaunlich unkompliziert.

Ein ausgewachsener Holunder kann vier Meter hoch oder sogar noch größer werden. Seine natürliche Wuchsform wirkt locker und etwas wild, weshalb er besonders gut in naturnahe Gärten passt. Wer weniger Platz hat, kann ihn durch regelmäßigen Schnitt gut in Form halten.

Neben dem klassischen Schwarzen Holunder gibt es auch attraktive Zuchtsorten. Besonders schön finde ich den dunkellaubigen Holunder ‚Black Lace‘, dessen fast schwarzes Laub einen wunderbaren Kontrast zu den zartrosa Blüten bildet. Die Früchte sind bei beiden Varianten tiefschwarz und glänzend.

Ein Strauch voller Möglichkeiten

Der Holunder begleitet die Menschen seit Jahrhunderten. Früher durfte er auf keinem Bauernhof fehlen und galt sogar als Schutzbaum für Haus und Hof.

Auch kulinarisch hat er einiges zu bieten. Aus den Blütendolden lassen sich Holunderblütensirup, Holundersekt oder aromatische Desserts herstellen. Besonders beliebt sind ausgebackene Holunderblüten, die man in Teig taucht und knusprig ausbackt.

Im Herbst folgen die dunklen Beeren. Sie dürfen allerdings nur gekocht verzehrt werden, da rohe Früchte unverträglich sind. Verarbeitet zu Saft, Gelee oder Suppe gehören sie zu den traditionellen Schätzen der Vorratsküche.

Viele Menschen schwören zudem auf Holundersaft bei Erkältungen und fiebrigen Infekten. Ob als Hausmittel oder einfach als leckeres Getränk – Holunder hat in vielen Familien bis heute einen festen Platz.

Holunderblüte

Ein Gewinner des Klimawandels?

Während manche Gartenpflanzen zunehmend unter Hitze und Trockenheit leiden, zeigt sich der Holunder erstaunlich robust.

Er bevorzugt zwar nährstoffreiche, leicht lehmige Böden, kommt aber auch mit weniger idealen Bedingungen zurecht. Sowohl sonnige als auch halbschattige Standorte werden gut vertragen. Hat sich der Strauch einmal etabliert, übersteht er auch längere Trockenphasen deutlich besser als viele andere Gehölze.

Durch sein schnelles Wachstum eignet sich Holunder außerdem hervorragend als Sichtschutz oder als Bestandteil einer naturnahen Hecke. Oft dauert es nicht lange, bis die ersten Vögel zwischen den Zweigen ihre Nester bauen.

Vorkommen

Der Schwarze Holunder ist in weiten Teilen Europas, Nordafrikas und Asiens verbreitet. Er wächst an Waldrändern, Feldhecken, Böschungen und in Gärten. Besonders häufig findet man ihn in Mitteleuropa.

Größere Anbaugebiete für die Fruchtproduktion liegen unter anderem in Österreich, insbesondere in der Oststeiermark. Dort wird Holunder seit vielen Jahren professionell angebaut und verarbeitet.

Wer einmal bewusst auf Holunder achtet, wird feststellen: Der Frühsommer ist voller weißer Blütenwolken. Man muss nur die Augen offen halten.

Was passiert jetzt im Garten?

Der Frühsommer ist die Zeit der Fülle. Fast täglich öffnen sich neue Blüten und viele Stauden erreichen jetzt ihren ersten Höhepunkt.

Rosen beginnen zu blühen, die ersten Erdbeeren werden reif und die Gemüsebeete wachsen oft schneller, als man mit dem Ernten hinterherkommt.

Typische Zeigerpflanzen

Neben dem Holunder gibt es noch weitere Pflanzen, die den Frühsommer ankündigen.

Typische Zeigerpflanzen sind:

  • Pfingstrose (Paeonia)
  • Robinie (Robinia pseudoacacia)
  • Holunder (Sambucus nigra)

Das Ende des Frühsommers wird angezeigt durch:

  • Sommerlinde (Tilia platyphyllos)
  • Liguster (Ligustrum vulgare)

Auch die erste Heuernte fällt traditionell in diese Jahreszeit und zeigt, wie eng die Phänologie mit der Landwirtschaft verbunden ist.

Jetzt ist eine gute Zeit für

  • Stauden stützen und anbinden
  • Verblühtes regelmäßig ausputzen
  • Rosen düngen und pflegen
  • Erdbeeren ernten
  • Insektenfreundliche Pflanzen beobachten und fotografieren
  • Erste Gartennotizen für das nächste Jahr machen

Besser noch warten mit

  • größeren Umpflanzaktionen
  • radikalen Rückschnitten
  • Neupflanzungen bei Hitzeperioden

Mein persönlicher Blick

Der Frühsommer ist für mich die Zeit, in der der Garten seine ganze Kraft zeigt.

Nach den ersten Frühlingsblüten kommt jetzt die große Bühne der Stauden, Rosen und Gehölze. Viele Beete wirken plötzlich wie fertige Gemälde. Die Pflanzen haben ihre endgültige Höhe erreicht und zeigen, ob die Planung funktioniert hat oder ob irgendwo noch eine Lücke entstanden ist.

Besonders liebe ich den Duft des Holunders an warmen Juniabenden. Er erinnert mich an Spaziergänge durch Feldwege, an Kindheitssommer und an selbstgemachten Holunderblütensirup. Für mich gehört dieser Duft genauso zum Frühsommer wie das Summen der Bienen und die ersten Erdbeeren aus dem Garten.

Der Juni ist außerdem die Zeit, in der ich einfach einmal innehalte und genieße. Denn schon bald beginnt die Hochsaison der Gartenarbeit – mit Gießen, Schneiden, Ernten und Jäten. Jetzt darf der Garten einfach nur schön sein.

Sabine van Osenbrüggen

Pfingstrose

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