Phänologie Hochsommer im Juli

Phänologie Hochsommer im Juli

Juli – Hochsommer: Die Zeit der Beeren

„Wer der Gartenleidenschaft verfiel, ist noch nie geheilt worden. Er fühlt sich immer tiefer in sie verstrickt.“
Karl Foerster

Der Hochsommer ist die Zeit der Fülle. Die Rosen stehen in voller Blüte, die Staudenbeete leuchten in kräftigen Farben und überall gibt es etwas zu ernten. Während die Tage ihren Höhepunkt erreicht haben, beginnt im Garten die große Naschsaison. In der Phänologie wird der Hochsommer durch die Reife der Roten Johannisbeere angezeigt. Sobald die ersten Trauben tiefrot zwischen den Blättern leuchten, hat diese Jahreszeit begonnen.

Die Beeren – kleine Früchte, großer Genuss

Für mich gehören Beeren zu den schönsten Geschenken des Sommers. Es gibt kaum etwas Schöneres, als an einem warmen Julitag durch den Garten zu gehen und hier eine Himbeere, dort eine Johannisbeere oder ein paar Heidelbeeren direkt vom Strauch zu naschen.

Die Rote Johannisbeere (Ribes rubrum) gilt als klassische Zeigerpflanze des Hochsommers. Doch meist ist sie nicht allein. Gleichzeitig reifen vielerorts:

  • Himbeeren (Rubus idaeus)
  • Brombeeren (Rubus fruticosus)
  • Heidelbeeren (Vaccinium corymbosum)
  • Stachelbeeren (Ribes uva-crispa)

Dank moderner Züchtungen gibt es heute frühe, mittlere und späte Sorten. Wer genügend Platz hat, kann die Beerensaison dadurch über viele Wochen ausdehnen. Selbst auf Balkon und Terrasse lassen sich mittlerweile kompakte Sorten kultivieren.

Besonders praktisch finde ich die neuen Brombeersorten ohne Dornen. Auch bei Himbeeren gibt es inzwischen Züchtungen, die deutlich weniger Ausläufer bilden und damit leichter im Garten zu kontrollieren sind.

Gesundes direkt aus dem Garten

Beeren sind nicht nur lecker, sondern auch echte Kraftpakete für die Gesundheit.

Sie enthalten zahlreiche Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Besonders geschätzt werden sie wegen ihres hohen Gehalts an Antioxidantien, die unsere Körperzellen schützen können.

Doch nicht nur die Früchte sind interessant. Auch die Blätter vieler Beerensträucher werden traditionell genutzt:

  • Brombeerblätter werden als Tee bei Erkältungen, Husten und Heiserkeit verwendet.
  • Himbeerblättertee gilt seit Jahrhunderten als klassischer Frauenkräutertee.
  • Stachelbeeren werden aufgrund ihrer Inhaltsstoffe eine entzündungshemmende Wirkung nachgesagt.
  • Heidelbeeren sind reich an Vitaminen und wertvollen Pflanzenstoffen.

Ob Marmelade, Saft, Likör, Kuchen oder einfach frisch vom Strauch – Beeren gehören für mich zu den vielseitigsten Früchten überhaupt.

Und was ist mit der Erdbeere?

Natürlich gehört auch die Erdbeere zum Sommer.

Allerdings eignet sie sich nicht als Zeigerpflanze für den Hochsommer. Durch die Vielzahl an frühen, mittleren, späten und sogar dauerhaft tragenden Sorten lässt sich ihre Erntezeit kaum noch eindeutig einer phänologischen Jahreszeit zuordnen.

Trotzdem wäre ein Sommer ohne Erdbeeren kaum vorstellbar. Für viele Gartenbesitzer beginnt mit den ersten roten Früchten überhaupt erst die eigentliche Erntesaison.

Hygge-Tipp für den Hochsommer:
Eine Handvoll frisch gepflückter Beeren, ein schattiger Sitzplatz im Garten und ein gutes Gartenbuch – mehr braucht es manchmal nicht, um einen perfekten Sommertag zu genießen.

Johannisbeere

Vorkommen

Viele unserer heutigen Beeren stammen ursprünglich aus den gemäßigten Regionen der Nordhalbkugel. Wildformen wachsen bis heute in Wäldern, Hecken und an Waldrändern.

Die Walderdbeere und die Heidelbeere begegnen uns noch immer in vielen Wäldern. Brombeeren besiedeln Feldränder, Böschungen und alte Bahndämme. Wer aufmerksam durch die Natur geht, entdeckt überall die wilden Verwandten unserer Gartenbeeren.

Vielleicht macht gerade das ihren besonderen Reiz aus: Sie verbinden unsere Gärten mit der Landschaft und erinnern uns daran, dass viele unserer Lieblingsfrüchte einst ganz ohne menschliche Hilfe gewachsen sind.

Weitere Zeigerpflanzen des Hochsommers

Wer keine Beerensträucher im Garten hat, kann den Beginn des Hochsommers auch an anderen Pflanzen erkennen.

Ein wichtiger Zeiger ist die Winterlinde (Tilia cordata). Wenn ihre gelblich-weißen Blüten erscheinen und ihren intensiven Duft verbreiten, hat der Hochsommer begonnen.

Die Winterlinde wird häufig mit der Sommerlinde verwechselt. Diese blüht jedoch bereits einige Wochen früher und gehört damit noch zum Frühsommer.

Viele Menschen kennen Linden vor allem durch den klebrigen Belag auf Autos, die unter ihnen geparkt werden. Dabei handelt es sich um Honigtau, der von Blattläusen ausgeschieden wird und oft mit den Lindenblüten in Verbindung gebracht wird.

Was passiert jetzt im Garten?

Der Hochsommer ist Erntezeit.

Während viele Stauden ihre volle Höhe erreicht haben, liefern Obst und Gemüse nun fast täglich neue Überraschungen. Gleichzeitig beginnt die Zeit, in der Trockenheit und Hitze den Garten stärker fordern.

Typische Zeigerpflanzen

Die Rote Johannisbeere (Ribes rubrum) gilt als klassische Zeigerpflanze des Hochsommers. Doch meist ist sie nicht allein. Gleichzeitig reifen vielerorts:

Typische Zeigerpflanzen sind:

  • Himbeeren (Rubus idaeus)
  • Brombeeren (Rubus fruticosus)
  • Heidelbeeren (Vaccinium corymbosum)
  • Stachelbeeren (Ribes uva-crispa)

Jetzt ist eine gute Zeit für

  • Beeren ernten und verarbeiten
  • Stauden zurückschneiden, die verblüht sind
  • Samenstände für Vögel teilweise stehen lassen
  • Mulchen gegen Verdunstung
  • Regenwasser sammeln
  • Erste Notizen für spätere Beetveränderungen machen

Besser noch warten mit

  • größeren Gehölzpflanzungen
  • Umpflanzaktionen bei großer Hitze
  • Rasenneuanlagen

Mein persönlicher Blick

Der Hochsommer hat für mich immer etwas von Ferienzeit.

Vielleicht liegt es an den langen Tagen, vielleicht an den vielen Früchten, die jetzt geerntet werden können. Während im Frühjahr die Vorfreude dominiert, belohnt uns der Garten nun für viele Monate der Pflege.

Besonders mag ich die morgendlichen Rundgänge durch den Garten. Oft wandert dabei mehr Obst direkt in meinen Mund als in die Ernteschale. Johannisbeeren, Himbeeren und Heidelbeeren haben schließlich die unangenehme Eigenschaft, sofort gegessen werden zu wollen.

Gleichzeitig zeigt der Hochsommer aber auch die Schattenseiten des Gärtnerns. Trockenheit, Hitzewellen und Pflanzen, die plötzlich doch nicht am richtigen Platz stehen, werden nun sichtbar. Genau deshalb ist diese Jahreszeit auch eine gute Gelegenheit, den Garten aufmerksam zu beobachten und Pläne für die kommenden Jahre zu schmieden.

Sabine van Osenbrüggen

Himbeere

Lindenblüte

Stachelbeere

Jahreskreis & Phänologie

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Phänologie Frühsommer

Phänologie Frühsommer

Juni – Frühsommer: Wenn der Holunder blüht

„Wer im Juni keine Blüten im Garten hat, hat entweder einen modernen Geröllgarten, in dem keine Blumen erlaubt sind, oder er hat etwas falsch gemacht.“
Gabriella Pape

Der Juni gehört zu den üppigsten Monaten im Gartenjahr. Die Staudenbeete laufen zur Hochform auf, Rosen öffnen ihre ersten Blüten und überall summt und brummt es. In der Phänologie beginnt jetzt der Frühsommer. Sein wichtigster Zeiger ist ein Strauch, der seit Jahrhunderten zu unseren Dörfern, Gärten und Landschaften gehört: der Schwarze Holunder (Sambucus nigra).

Der Holunder – Duftender Bote des Frühsommers

Wenn der Holunder seine großen weißen Blütendolden öffnet, hat der Frühsommer begonnen. Die zahlreichen kleinen, sternförmigen Einzelblüten verströmen einen süßlichen Duft, der Menschen ebenso anzieht wie Bienen, Schwebfliegen, Käfer und viele andere Insekten.

Der Holunder ist einer dieser Sträucher, die ich jedem naturnahen Garten empfehlen würde. Er bietet Nahrung für Insekten, später Früchte für Vögel und zusätzlich eine reiche Ernte für uns Menschen. Dabei ist er erstaunlich unkompliziert.

Ein ausgewachsener Holunder kann vier Meter hoch oder sogar noch größer werden. Seine natürliche Wuchsform wirkt locker und etwas wild, weshalb er besonders gut in naturnahe Gärten passt. Wer weniger Platz hat, kann ihn durch regelmäßigen Schnitt gut in Form halten.

Neben dem klassischen Schwarzen Holunder gibt es auch attraktive Zuchtsorten. Besonders schön finde ich den dunkellaubigen Holunder ‚Black Lace‘, dessen fast schwarzes Laub einen wunderbaren Kontrast zu den zartrosa Blüten bildet. Die Früchte sind bei beiden Varianten tiefschwarz und glänzend.

Ein Strauch voller Möglichkeiten

Der Holunder begleitet die Menschen seit Jahrhunderten. Früher durfte er auf keinem Bauernhof fehlen und galt sogar als Schutzbaum für Haus und Hof.

Auch kulinarisch hat er einiges zu bieten. Aus den Blütendolden lassen sich Holunderblütensirup, Holundersekt oder aromatische Desserts herstellen. Besonders beliebt sind ausgebackene Holunderblüten, die man in Teig taucht und knusprig ausbackt.

Im Herbst folgen die dunklen Beeren. Sie dürfen allerdings nur gekocht verzehrt werden, da rohe Früchte unverträglich sind. Verarbeitet zu Saft, Gelee oder Suppe gehören sie zu den traditionellen Schätzen der Vorratsküche.

Viele Menschen schwören zudem auf Holundersaft bei Erkältungen und fiebrigen Infekten. Ob als Hausmittel oder einfach als leckeres Getränk – Holunder hat in vielen Familien bis heute einen festen Platz.

Holunderblüte

Ein Gewinner des Klimawandels?

Während manche Gartenpflanzen zunehmend unter Hitze und Trockenheit leiden, zeigt sich der Holunder erstaunlich robust.

Er bevorzugt zwar nährstoffreiche, leicht lehmige Böden, kommt aber auch mit weniger idealen Bedingungen zurecht. Sowohl sonnige als auch halbschattige Standorte werden gut vertragen. Hat sich der Strauch einmal etabliert, übersteht er auch längere Trockenphasen deutlich besser als viele andere Gehölze.

Durch sein schnelles Wachstum eignet sich Holunder außerdem hervorragend als Sichtschutz oder als Bestandteil einer naturnahen Hecke. Oft dauert es nicht lange, bis die ersten Vögel zwischen den Zweigen ihre Nester bauen.

Vorkommen

Der Schwarze Holunder ist in weiten Teilen Europas, Nordafrikas und Asiens verbreitet. Er wächst an Waldrändern, Feldhecken, Böschungen und in Gärten. Besonders häufig findet man ihn in Mitteleuropa.

Größere Anbaugebiete für die Fruchtproduktion liegen unter anderem in Österreich, insbesondere in der Oststeiermark. Dort wird Holunder seit vielen Jahren professionell angebaut und verarbeitet.

Wer einmal bewusst auf Holunder achtet, wird feststellen: Der Frühsommer ist voller weißer Blütenwolken. Man muss nur die Augen offen halten.

Was passiert jetzt im Garten?

Der Frühsommer ist die Zeit der Fülle. Fast täglich öffnen sich neue Blüten und viele Stauden erreichen jetzt ihren ersten Höhepunkt.

Rosen beginnen zu blühen, die ersten Erdbeeren werden reif und die Gemüsebeete wachsen oft schneller, als man mit dem Ernten hinterherkommt.

Typische Zeigerpflanzen

Neben dem Holunder gibt es noch weitere Pflanzen, die den Frühsommer ankündigen.

Typische Zeigerpflanzen sind:

  • Pfingstrose (Paeonia)
  • Robinie (Robinia pseudoacacia)
  • Holunder (Sambucus nigra)

Das Ende des Frühsommers wird angezeigt durch:

  • Sommerlinde (Tilia platyphyllos)
  • Liguster (Ligustrum vulgare)

Auch die erste Heuernte fällt traditionell in diese Jahreszeit und zeigt, wie eng die Phänologie mit der Landwirtschaft verbunden ist.

Jetzt ist eine gute Zeit für

  • Stauden stützen und anbinden
  • Verblühtes regelmäßig ausputzen
  • Rosen düngen und pflegen
  • Erdbeeren ernten
  • Insektenfreundliche Pflanzen beobachten und fotografieren
  • Erste Gartennotizen für das nächste Jahr machen

Besser noch warten mit

  • größeren Umpflanzaktionen
  • radikalen Rückschnitten
  • Neupflanzungen bei Hitzeperioden

Mein persönlicher Blick

Der Frühsommer ist für mich die Zeit, in der der Garten seine ganze Kraft zeigt.

Nach den ersten Frühlingsblüten kommt jetzt die große Bühne der Stauden, Rosen und Gehölze. Viele Beete wirken plötzlich wie fertige Gemälde. Die Pflanzen haben ihre endgültige Höhe erreicht und zeigen, ob die Planung funktioniert hat oder ob irgendwo noch eine Lücke entstanden ist.

Besonders liebe ich den Duft des Holunders an warmen Juniabenden. Er erinnert mich an Spaziergänge durch Feldwege, an Kindheitssommer und an selbstgemachten Holunderblütensirup. Für mich gehört dieser Duft genauso zum Frühsommer wie das Summen der Bienen und die ersten Erdbeeren aus dem Garten.

Der Juni ist außerdem die Zeit, in der ich einfach einmal innehalte und genieße. Denn schon bald beginnt die Hochsaison der Gartenarbeit – mit Gießen, Schneiden, Ernten und Jäten. Jetzt darf der Garten einfach nur schön sein.

Sabine van Osenbrüggen

Pfingstrose

Robinie

Lindenblüte

Jahreskreis & Phänologie

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Wenn Gartenpläne kippen

Wenn Gartenpläne kippen

Mein schwieriger Neustart im Gartenjahr 2026

Eigentlich hatte ich mir den Winter über alles so schön zurechtgelegt. Das Präriebeet sollte durch eine große Umpflanzaktion neu sortiert werden, einige Gartenbereiche wollte ich beruhigen und insgesamt sollte alles stimmiger und pflegeleichter werden. In der Praxis kam es leider ganz anders.

Die Umpflanzaktion ist gründlich schiefgegangen, mehrere Stauden haben den Winter nicht überstanden und aus der vermeintlich klaren Planung wurde noch einmal ein kompletter Neustart. Heute kann ich sagen: Frustrierend war das schon – aber auch überraschend lehrreich.

Das Präriebeet: viel Hoffnung, wenig Erfolg

Mein größter Rückschlag war eindeutig das Präriebeet. Die Umpflanzaktion Ende 2025 hatte ich mir als sinnvollen Neuanfang vorgestellt, doch das Ergebnis war ernüchternd. Alle Gräser sind eingegangen – und damit genau die Pflanzen, die dem Beet Struktur, Leichtigkeit und seinen typischen Präriecharakter verleihen sollten.

Gerade weil Gräser in Präriepflanzungen normalerweise die tragenden Elemente sind, hat mich dieser Verlust besonders getroffen. Im Nachhinein war das der Moment, in dem ich akzeptieren musste: Dieses Beet braucht nicht nur eine neue Bepflanzung, sondern vermutlich ein völlig anderes Konzept.

Mein Ziel ist inzwischen klar. Das Beet soll altersgerechter und pflegeleichter werden. Vielleicht wird es künftig in kleinere Bereiche gegliedert, damit Pflege und Kontrolle einfacher werden. Noch befindet sich alles in der Planungsphase, aber die Richtung steht fest.

Auch in den anderen Beeten sah es ernüchternd aus

Leider blieb es nicht beim Präriebeet. Auch in anderen Gartenbereichen gab es über den Winter deutliche Verluste.

Besonders schmerzlich war es bei den Storchschnäbeln und Elfenblumen, denn beide gehören für mich zu den verlässlichen Begleitern im Beet. Die Storchschnäbel gelten eigentlich als robust, doch der lange Schnee und die anhaltende Nässe haben ihnen offenbar zugesetzt. Die Elfenblumen wiederum wurden durch das späte Entfernen der wilden Haselnüsse empfindlich gestört und haben sich nur teilweise erholt.

So stand ich im Frühjahr vor Beeten, die deutlich lückiger aussahen als geplant.

Dann kam der Vortrag über die Gehölze der Zukunft

Eigentlich hatte ich meine Gartenplanung über den Winter bereits weitgehend abgeschlossen. Dann besuchte ich einen Vortrag über „Gehölze der Zukunft“ – und plötzlich war vieles, was ich für gesetzt gehalten hatte, wieder offen.

Dort ging es um klimaresiliente Gehölze, um Hitzeverträglichkeit, Trockenstress und die Frage, wie unsere Gärten in zwanzig oder dreißig Jahren aussehen könnten. Gerade private Gärten werden zunehmend vor die Herausforderung gestellt, mit längeren Trockenphasen, stärkeren Wetterextremen und höheren Temperaturen umzugehen.

Dieser Vortrag hat bei mir einiges ausgelöst. Statt lediglich ausgefallene Pflanzen zu ersetzen, begann ich darüber nachzudenken, wie mein Garten langfristig widerstandsfähiger werden kann. Das führte dazu, dass ich meine bisherigen Pläne im Frühjahr noch einmal grundlegend überarbeitet habe.

Das linke Beet bekam ein neues Gesicht

Am deutlichsten sichtbar wurde diese neue Denkweise im linken Beet.

Hier habe ich nicht nur einzelne Pflanzen ersetzt, sondern das Beet als Ganzes neu betrachtet. Welche Gehölze passen dauerhaft an diesen Standort? Welche Pflanzen kommen mit Hitze und Trockenheit zurecht? Und welche Strukturen lassen sich auch in zehn oder fünfzehn Jahren noch gut pflegen?

Nach den Verlusten des Winters wollte ich nicht einfach möglichst schnell nachpflanzen. Stattdessen habe ich versucht, bewusster zu entscheiden und langfristiger zu denken.

Das Ergebnis ist kein Reparaturversuch, sondern eher ein echter Neuanfang.

Für das Präriebeet suche ich noch die richtige Lösung

Während das linke Beet bereits neu gestaltet wurde, befindet sich das Präriebeet noch in der Planungsphase.

Nach dem gescheiterten Versuch möchte ich diesmal nichts überstürzen. Zuerst muss die Frage beantwortet werden, welche Aufgabe dieses Beet künftig erfüllen soll.

Es soll weiterhin natürlich und locker wirken, gleichzeitig aber deutlich pflegeleichter werden. Weniger empfindliche Kombinationen, weniger ständiges Eingreifen, klarere Strukturen und Pflanzen, die mit trockenen Sommern und wechselhaften Wintern besser zurechtkommen – das sind inzwischen die Kriterien, nach denen ich auswähle.

Ein pflegeleichtes Beet ist für mich heute nicht mehr nur ein netter Bonus. Es ist zu einem zentralen Gestaltungselement geworden.

Mein Fazit nach diesem Gartenwinter

Natürlich hätte ich mir einen erfolgreicheren Start ins Gartenjahr gewünscht. Niemand freut sich über ausgefallene Pflanzen, gescheiterte Umpflanzaktionen oder Planungen, die wieder über den Haufen geworfen werden müssen.

Aber oft sind es gerade die Rückschläge, die uns zwingen, genauer hinzusehen.

Ich habe in den vergangenen Monaten gelernt, dass gute Gartenplanung nicht bedeutet, einmal einen perfekten Plan zu erstellen und ihn anschließend nur noch umzusetzen. Manchmal bedeutet sie auch, Verluste zu akzeptieren, liebgewonnene Ideen loszulassen und den Mut zu haben, neu anzufangen.

Vielleicht gehört genau das zum Gärtnern dazu: Der Garten verändert sich ständig – und wir uns mit ihm.

Phänologie Vollfrühling im Mai

Phänologie Vollfrühling im Mai

Mai – Vollfrühling: Wenn der Apfelbaum blüht

„Der Apfelbaum ist aufgeblüht, nun summen alle Bienen.“
James Krüss

Der Mai gehört für mich zu den schönsten Zeiten im Gartenjahr. Alles ist plötzlich da: frisches Grün, warme Tage, Vogelgesang und überall summende Insekten. In der Phänologie beginnt jetzt der Vollfrühling – eine Jahreszeit, die nicht durch ein Kalenderdatum bestimmt wird, sondern durch die Natur selbst.

Die wichtigste Zeigerpflanze dieser Jahreszeit ist der Apfelbaum (Malus domestica). Wenn seine Blüten geöffnet sind, hat der Vollfrühling begonnen.

Der Apfelbaum – König des Vollfrühlings

Die Apfelblüte gehört für mich jedes Jahr zu den schönsten Naturereignissen. Die Bäume wirken, als wären sie mit rosa-weißen Wolken geschmückt. Gleichzeitig beginnt eine der wichtigsten Phasen für die spätere Obsternte.

Doch die Blütezeit ist empfindlich. Viele Apfelsorten blühen mittlerweile deutlich früher als noch vor einigen Jahrzehnten. Das erhöht das Risiko von Spätfrösten. Bereits wenige Frostnächte können die empfindlichen Blüten schädigen und die Ernte stark beeinträchtigen.

In großen Obstanlagen wird deshalb häufig die sogenannte Frostberegnung eingesetzt. Dabei werden die Blüten kontinuierlich mit Wasser besprüht. Während das Wasser gefriert, wird Wärme frei, die die Blüten vor stärkeren Frostschäden schützt. Dieses Verfahren funktioniert allerdings nur, solange ständig neues Wasser nachgeliefert wird.

Im Hausgarten wäre eine ähnliche Methode mit einem Rasensprenger theoretisch möglich. Aufgrund des hohen Wasserverbrauchs ist sie für die meisten Hobbygärtner jedoch kaum praktikabel.

Ohne Bestäuber keine Äpfel

Mindestens genauso wichtig wie das Wetter sind die Bestäuber.

Eine Apfelblüte wird nur dann zu einem Apfel, wenn sie von Insekten besucht wird. Gerade früh blühende Sorten haben manchmal das Problem, dass noch nicht genügend Bienen und andere Bestäuber unterwegs sind.

Deshalb stellen viele Obstbauern während der Blütezeit gezielt Bienenstöcke in ihre Plantagen. Auch Wildbienen leisten dabei Erstaunliches. Studien zeigen, dass sie häufig sogar effizienter bestäuben als Honigbienen.

Wie wichtig Insekten für unsere Ernährung sind, zeigt ein Blick nach Asien. In einigen Regionen Chinas werden Obstbäume inzwischen teilweise von Hand bestäubt, weil natürliche Bestäuber fehlen. Dabei wird deutlich, wie unersetzlich Bienen und Wildbienen sind:

  • Ein Mensch bestäubt an einem Tag etwa 30 Obstbäume.
  • Ein einziges Bienenvolk besucht während einer Saison Millionen von Blüten.

Für mich ist das ein weiterer Grund, den Garten möglichst naturnah zu gestalten und möglichst viele Nahrungspflanzen für Insekten anzubieten.

Apfelbaumblüte

Wie der Apfelbaum zu uns kam

Der Kulturapfel stammt ursprünglich aus Zentral- und Westasien. Über Handelswege gelangte er nach Europa und gehört heute zu den wichtigsten Obstbäumen unseres Kontinents.

Besonders große Anbaugebiete finden sich im Alten Land bei Hamburg, am Bodensee sowie in Südtirol. Doch auch in unzähligen Hausgärten und Streuobstwiesen prägt der Apfelbaum bis heute unsere Kulturlandschaft.

Alte Apfelsorten neu entdecken

Der Apfel gehört für uns zu den selbstverständlichsten Obstsorten überhaupt. Im Supermarkt ist er das ganze Jahr verfügbar. Dabei vergessen wir oft, welche Vielfalt es eigentlich gibt.

Besonders spannend finde ich die alten Sorten. Viele Menschen mit einer Apfelallergie berichten, dass sie alte Sorten besser vertragen als moderne Züchtungen. Vermutet wird, dass dies mit den enthaltenen Polyphenolen zusammenhängt – natürlichen Pflanzenstoffen, die in vielen alten Sorten noch reichlich vorhanden sind.

Diese Stoffe wurden bei modernen Sorten oft reduziert, weil sie dafür sorgen, dass angeschnittene Äpfel schneller braun werden.

Zum Glück kümmern sich heute zahlreiche Obstbauvereine, Landschaftspflegeverbände und engagierte Baumschulen um den Erhalt alter Apfelsorten. Viele dieser Schätze findet man noch auf Streuobstwiesen oder in alten Hausgärten.

Was passiert jetzt im Garten?

Im Vollfrühling explodiert das Wachstum förmlich.

Viele Stauden treiben kräftig aus, Rosen entwickeln ihre ersten Knospen und die ersten Gemüsebeete füllen sich. Jetzt beginnt die Zeit, in der der Garten jeden Tag anders aussieht.

Typische Zeigerpflanzen

Wer keinen Apfelbaum in der Nähe hat, kann den Vollfrühling auch an anderen Pflanzen erkennen.

Typische Zeigerpflanzen sind:

  • Blattentfaltung der Stiel-Eiche (Quercus robur)
  • Blüte des Flieders (Syringa vulgaris)
  • Blüte des Bärlauchs (Allium ursinum)

Das Ende des Vollfrühlings kündigen wiederum andere Pflanzen an:

  • Blüte der Himbeere (Rubus idaeus)
  • Blüte des Weißdorns (Crataegus monogyna)

Sie markieren den Übergang in den Frühsommer.

Jetzt ist eine gute Zeit für

  • Aussaat vieler Sommerblumen
  • Pflanzung frostempfindlicher Gemüsepflanzen nach den Eisheiligen
  • Mulchen der Beete
  • Beobachtung von Bestäubern und Wildbienen
  • Planung naturnaher Blühflächen

Besser noch warten mit

  • starken Rückschnitten an Gehölzen
  • größeren Umpflanzaktionen bei Trockenheit
  • übermäßigem Düngen

Mein persönlicher Blick

Für mich ist der Vollfrühling die Jahreszeit des Optimismus.

Im Vorfrühling freue ich mich über die ersten Blüten. Im Erstfrühling beginnt die Gartensaison langsam Fahrt aufzunehmen. Aber erst im Vollfrühling zeigt die Natur ihre ganze Kraft. Der Garten wirkt plötzlich lebendig, üppig und voller Möglichkeiten.

Besonders liebe ich die Apfelblüte. Sie erinnert mich daran, wie eng unser eigenes Leben mit den Abläufen der Natur verbunden ist. Ohne Blüten keine Früchte, ohne Insekten keine Ernte und ohne Geduld kein Garten.

Vielleicht lohnt es sich gerade im Mai, einmal kurz stehen zu bleiben, dem Summen der Bienen zuzuhören und den blühenden Apfelbaum einfach nur zu genießen.

Sabine van Osenbrüggen

Bärlauch

Flieder

Weißdorn

Jahreskreis & Phänologie

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Buchrezension Mein Sommergarten

Buchrezension Mein Sommergarten

Mein Sommergarten“ von Vita Sackville-West

Ein literarischer Spaziergang durch einen englischen Sommergarten

Wer meinen Reisebericht über Sissinghurst gelesen hat, weiß bereits, dass ich von Vita Sackville-West als Gartenpersönlichkeit fasziniert bin. Schließlich hat sie mit ihrem berühmten Garten in Kent Gartengeschichte geschrieben. Entsprechend neugierig war ich auf ihr Buch Mein Sommergarten.

Nach der Lektüre bleibt bei mir ein gemischter Eindruck zurück: Das Buch ist wunderschön geschrieben, atmosphärisch und voller Leidenschaft für Pflanzen. Gleichzeitig zeigt es aber auch deutlich, wie sehr sich die Gartenwelt in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat.

Zwischen Gartenbuch und Zeitdokument

Vita Sackville-West schreibt in einem so anmutigen, plaudernden Ton, dass man ihr auch dann gerne folgt, wenn man ihren Empfehlungen längst nicht mehr überall zustimmen würde. Man hat beim Lesen das Gefühl, gemeinsam mit ihr durch den Garten zu schlendern, Pflanzen zu betrachten und ihren Gedanken zuzuhören.

Genau darin liegt für mich die größte Stärke des Buches.

Mein Sommergarten ist weniger ein klassischer Gartenratgeber als vielmehr eine Sammlung persönlicher Beobachtungen, Gedanken und Erfahrungen einer außergewöhnlichen Gartenliebhaberin. Vita schreibt nicht belehrend, sondern erzählt. Sie nimmt ihre Leserinnen und Leser mit in ihre Gartenwelt und vermittelt dabei vor allem eines: ihre Begeisterung für Pflanzen.

Besonders spannend: Der Weiße Garten

Am meisten begeistert haben mich die Passagen über den berühmten Weißen Garten von Sissinghurst.

Hier wird deutlich, warum Vita Sackville-West bis heute als eine der einflussreichsten Gartengestalterinnen gilt. Ihre Überlegungen zur Farbwirkung, zur Atmosphäre eines Gartens und zur besonderen Kraft weißer Blüten sind auch nach vielen Jahrzehnten noch inspirierend.

Wer sich für Gartengestaltung interessiert, findet hier wertvolle Denkanstöße. Nicht unbedingt in Form konkreter Pflanzlisten, sondern als Anregung, wie Farben, Licht und Pflanzenstimmungen einen Garten prägen können.

Gerade diese Kapitel haben mich an meinen eigenen Besuch in Sissinghurst erinnert. Dort wird spürbar, wie konsequent Vita ihre Ideen umgesetzt hat.

Wo das Buch sein Alter zeigt

Gleichzeitig merkt man dem Buch sein Alter an vielen Stellen deutlich an.

Zahlreiche Pflanzen und Sorten, die Vita beschreibt oder empfiehlt, sind heute kaum noch erhältlich oder unter anderen Namen bekannt. Manche Hinweise zur Pflanzenauswahl lassen sich deshalb nur schwer nachvollziehen.

Noch deutlicher wird der zeitliche Abstand bei den Themen Düngung und Schädlingsbekämpfung. Einige Methoden und Mittel, die damals selbstverständlich waren, gelten heute als problematisch oder sind längst verboten.

Das ist kein Vorwurf an die Autorin – schließlich schrieb sie aus der Sicht ihrer Zeit. Für heutige Gartenfreundinnen und Gartenfreunde bedeutet es jedoch, dass man viele praktische Empfehlungen kritisch betrachten muss.

Für wen lohnt sich das Buch?

Wer aktuelle Gartentipps, moderne Pflanzkonzepte oder konkrete Anleitungen sucht, wird mit diesem Buch vermutlich nicht glücklich werden.

Wer dagegen Freude an Gartenliteratur hat, sich für die Geschichte von Sissinghurst interessiert oder einfach gerne den Gedanken einer großen Gartenpersönlichkeit folgt, kann durchaus Gefallen daran finden.

Für mich war Mein Sommergarten vor allem eines: ein charmantes Zeitdokument, das zeigt, wie Gartenleidenschaft vor fast hundert Jahren gelebt wurde.

Mein Fazit

Mein Sommergarten ist ein stilistisch reizvolles und atmosphärisch dichtes Buch. Besonders die Gedanken zum Weißen Garten und zur Wirkung von Pflanzen im Gartenraum haben mich angesprochen.

Als praktischer Gartenratgeber ist das Buch heute allerdings nur noch sehr eingeschränkt nutzbar. Zu viele Pflanzenempfehlungen sind überholt, zu viele Hinweise stammen aus einer völlig anderen gärtnerischen Zeit.

Deshalb würde ich das Buch vor allem Leserinnen und Lesern empfehlen, die historische Gartenliteratur schätzen oder sich für Vita Sackville-West und die Geschichte von Sissinghurst interessieren.

Meine persönliche Erkenntnis nach der Lektüre: Vielleicht sollte ich künftig etwas vorsichtiger sein, wenn ich historische Gartenbücher kaufe und eigentlich nach konkreten, zeitgemäßen Gartentipps suche.

Für historische Romane von Vita kann ich allerdings das Buch „Unerwartete Leidenschaft“ empfehlen, es macht sehr nachdenklich, wenn eine 88-jährige Frau ihr Leben nach dem Tod ihres Mannes zum ersten Mal selbst in die Hand nimmt.

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